Clemens Meyer
Clemens Meyer auf der Couch (2016) Bild © picture-alliance/dpa

Der Schriftsteller schreibt über die Schatten- und Halbwelten unserer Gesellschaft, über Technoparties, Prostitution und Kleinkriminalität. Aber auch über Liebe und Tod im Makrokosmos Großmarkt. Und ja, er hat auch ein eigenes Rennpferd. Der ungewöhnliche Schriftsteller im Porträt.

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Stadtschreiberhaus Bergen-Enkheim

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Von Pferderennen, Prostitution und einem Haus in Bergen-Enkheim

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Meyer darf ein Jahr im Stadtschreiberhaus wohnen und erhält ein Preisgeld von 20.000 €. Das 1974 von Franz Josef Schneider begründete Amt übernimmt er von dem Dramatiker und Romancier Thomas Melle. Die Antrittsrede hält er am 31. August im Festzelt des Berger Marktes. Weitere Verpflichtungen gibt es nicht, deshalb muss man sich überraschen lassen, was Clemens Meyer als amtierender Stadtschreiber so vor hat.

Von Träumen und selbstorganisierten Technoparties

Meyer wuchs als Sohn eines Pfleger-Ehepaars im Leipziger Osten auf und kam über die umfangreiche Bibliothek seines Vaters zur Literatur. Bei der Wende war er 11 Jahre alt und erlebte diese Zeit als "Tanz auf den Trümmern". In seinem überraschenden Debüt-Roman "Als wir träumten" erzählt er vor einem autobiografischen Hintergrund von Kleinkriminalität, Alkohol, Drogen, Gewalt, Tätowierungen und selbstorganisierten Technopartys. Das ist unbändig, offen und immer wieder fragend.

Eine dunkle Reise in die Nacht

Schon lange beschränkt sich sein Schreiben nicht mehr auf das autobiografische Erleben, aber es hat immer noch eine ungeheure Präzision. Sein großer Roman "Im Stein" beispielsweise ist eine Reise in die Nacht. Brutal, dunkel und traumwandlerisch schreibt Meyer darin über die Schattenwelt unserer Gegenwart, über Prostituierte, die Hells Angels und die ungekrönten Könige der Dunkelheit.

Weitere Informationen

Clemens Meyer

2006 erschien sein Debütroman "Als wir träumten"
2008 "Die Nacht, die Lichter. Stories"
2010 "Gewalten. Ein Tagebuch"
2013 "Im Stein"
2016 Frankfurter Poetikvorlesungen: "Der Untergang der Äkschn GmbH"

Für sein Werk erhielt Clemens Meyer zahlreiche Preise, darunter den Preis der Leipziger Buchmesse.
"Im Stein" stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis, wurde mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet und für den Man Booker International Prize 2017 nominiert.

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Die andere große Leidenschaft

Meyers große Leidenschaft jenseits der Literatur ist das Pferderennen. Regelmäßig fährt er zu den berühmten Rennplätzen zwischen Hoppegarten und Paris, begleitet die großen Rennen ebenso enthusiastisch wie die kleinen und wird nicht müde seine Wetten zu machen. Vor ein paar Jahren hat er sich sogar selbst ein Rennpferd zugelegt.

Vorgestellt von Ulrich Sonnenschein

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 9.6.2018, 08:30 Uhr

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