Wir stellen ein kleines, feines Museum vor, dass jede Menge Geheimnisse birgt. Etwa, dass es dort eine Eule gibt, die sogar in Amerika berühmt ist. Mark Twain sei Dank.

Ohne diese Eule würde wahrscheinlich kein Bus mit amerikanischen Touristen in Hirschhorn halten. Es war Mark Twain, der sie berühmt gemacht hat. Der Kasten mit der Eule steht im Langbein-Museum, ein ehemaliges Forsthaus und eines der schönsten Häuser des Städtchens, nur einen Steinwurf vom Neckar entfernt, im äußersten Süden von Hessen. Und in diesem Haus kommt man aus dem Staunen nicht heraus, weil es der Händler und Gastwirt Carl Langbein gefüllt hat.

Eine Wunderkammer

Auf den ersten Blick viel Kram: Dinge aus Flora und Fauna und Kunstwerke, gleich im ersten Zimmer ein riesiger Holztisch, gleich zwei geschnitzte Pietás, ein fliegendes Wasserweibchen, ein Ölbild von der Hirschhorner Klostergasse, ein echtes gegerbtes Elefantenohr, Armbrüste, Ritterrüstungen, die einst rund ums Hirschhorner Schloss getragen wurden, das blecherne Aushänge-Schild für die Wirtschaft "Zum Ochsen", die Carl Langbein, der Naturliebhaber, in "Zum Naturisten" umbenannte.

Voller Geschichten

Es ist die Zusammenstellung, die das Langbein-Museum interessant macht. Der gut gemachte Audio-Guide erklärt fast alles ausführlich. Man sollte sich Zeit nehmen im Langbein-Museum - und die Dinge hinterfragen: Warum etwa gibt es hier ein Kartoffeldenkmal?

Ein Elchgeweih im Langbeinmuseum.

Museumsgründer Ulrich Spiegelberg, der beliebte Kinderarzt und Heimatforscher, hat mit viel Humor vor über 20 Jahren alles arrangiert. Sein Tod im vergangenen Jahr hat die Stadt erschüttert - sein Witz bleibt: Das Ölgemälde von Elisabeth Auguste, der Kurfürstin von der Pfalz und von Bayern, hängt doch deutlich schief! Warum? - Weil sie angeblich eine schiefe Ehe führte und ihr ein Mann nicht genug war.

Mark Twain und die Hirschhorner Eule

Nach einem Rundgang vorbei an Skurrilitäten und Stücken aus der Hirschhorner Heimat kommen alle Besucher voller Eindrücke am Prunkstück des Langbein-Museums vorbei: Jener Eule, die Mark Twain so erschreckte. Die Geschichte ist wahr, wenn auch wohl etwas übertrieben: Der US-Schriftsteller Mark Twain landete 1878 auf einer Neckartour bei Regen in Hirschhorn und übernachtete im Gasthaus von Carl Langbein.

In Literatur verewigt

Dass Twain die schaurige Geschichte in seinem "Bummel durch Europa" aufschrieb, macht Hirschhorn seit 135 Jahren weltweit ein bisschen prominent. Das Langbein-Museum, die übervolle, witzige und originelle Schatzkammer des Städtchens, ist jedenfalls einen Besuch wert. Nicht nur wegen der Eule, die bis heute guckt als kenne sie einen, wisse aber nicht woher.

Weitere Informationen

Langbein Museum

Alleeweg 2
69434 Hirschhorn (Neckar)
Telefon: 06272-1742
Mehr Informationen auf www.museum-hirschhorn.de

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 19.7.2019, 9:20 Uhr

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