Als der türkische Autor Yaşar Kemal 1997 in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegennahm, sagte er in seiner Dankesrede: "Das Gefängnis ist die Schule der türkischen Literatur." Viele oppositionelle Schriftsteller machten diese Erfahrung im letzten und in diesem Jahrhundert.

Wer schreibend Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen übt, hat in der Türkei mit Repressalien zu rechnen. In den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts saßen politische Schriftsteller wie Sabahattin Ali oder Nâzım Hikmet, berühmte Klassiker der türkischen Literatur, wegen ihrer Schriften im Gefängnis oder wurden verfolgt.

Im Februar dieses Jahres wurde der Schriftsteller und Journalist Ahmet Altan zu lebenslanger Haft verurteilt. Am selben Tag übrigens, als der Welt-Korrespondent Deniz Yücel aus der Haft entlassen wurde. Auch andere zeitgenössische Schriftstellerinnen und Schriftsteller, wie Aslı Erdoğan und Burhan Sönmez gerieten nach und vor dem Putsch in der Türkei in Konflikt mit der Staatsmacht.

In unserer 3-teiligen Reihe in der hr2-Spätlese hören Sie Texte von Klassikern der türkischen Literatur und zeitgenössischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Heute mit Ausschnitten aus Burhan Sönmez Roman "Istanbul, Istanbul" (gelesen vom Schauspieler Christian Klischat) und aus Nâzım Hikmets "Menschenlandschaften".

Burhan Sönmez , 1965 geboren, ist türkischer Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist. In seinem dritten Roman "Istanbul“ Istanbul" überstehen Gefangene ihr Dasein im Gefängnis, indem sie sich Geschichten erzählen.

Nâzım Hikmet (1902 – 1963) ist ein Klassiker der modernen türkischen Literatur. Seine Gedichte kennt in der Türkei jeder. Als Mitglied der Kommunistischen Partei wurde er wegen seines Schreibens und seiner politischen Gesinnung verfolgt und 12 Jahre lang inhaftiert. Viele seiner Werke entstanden im Gefängnis. Von 1938 – 1965 hatte er in der Türkei Publikationsverbot.

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit