Wilhelm Genazino
Wilhelm Genazino Bild © picture-alliance/dpa

Der Frankfurter Schriftsteller Wilhelm Genazino ist am 12. Dezember 2018 nach kurzer Krankheit gestorben. Das teilte der Carl Hanser Verlag mit.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nachruf auf Wilhelm Genazino von Mario Scalla

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Ohne die Großstadt war der Schriftsteller Wilhelm Genazino nicht zu denken. Selber ein unermüdlicher Wanderer durch die Straßen, laufen auch seine Figuren durch die Stadt und versenken sich in die Beobachtung scheinbar banaler und leicht zu übersehender Details. Durch diese Beobachtungsgabe und die hingebungsvolle Beschreibung eines gewöhnlichen Lebens wurde Genazino spätestens seit den siebziger Jahren und seiner berühmten Abschaffel-Trilogie zu einem der bekanntesten Autoren Deutschlands.

Als großer Flaneur wurde er oft bezeichnet, doch Genazino legte wert darauf, nur ein besonderer Spaziergänger zu sein. Der Beruf des Schriftstellers war dabei lange Jahre nicht in Sicht. 1943 in Mannheim geboren, absolvierte Genazino zunächst ein Volontariat bei der Rhein-Neckar-Zeitung in Heidelberg, bevor er zum Studium nach Frankfurt umzog. Er blieb in der Mainmetropole und versuchte sich als freier Journalist.

Satirezeitschrift Pardon

Zitat
Das Kulturgut Humor hat sich im Laufe der Jahre in eine Art von Ironie verwandelt. Und dieser Ironie bin ich nach wie vor sehr treu, bzw ich könnte wahrscheinlich ohne Ironie nicht schreiben und wahrscheinlich auch nicht leben. Zitat von Wilhelm Genazino
Zitat Ende

In das Jahr 1971 fiel die für sein berufliches Leben wichtigste Zäsur. Genazino war Redakteur bei der Satirezeitschrift Pardon. Mit anderen jungen Redakteuren probte er die Rebellion, forderte er ein Redaktionsstatut und Mitbestimmung. Doch der kleine Aufstand scheiterte, Genazino wurde zusammen mit Eckart Henscheid und anderen rausgeworfen und musste sich eine neue Beschäftigung suchen. Zum Glück für die deutsche Literatur entschied er sich für die Laufbahn des freien Autors.

Georg-Büchner-Preisträger

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Wenn ich keinen Erfolg hätte, also dann wär ich ein sehr übler Fall." Wilhelm Genazino zum 75. Geburtstag - Portrait von Julika Tillmanns

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Spätestens mit dem Georg-Büchner-Preis 2004 war Genazino ein republikweit bekannter Autor, geschätzt für die leise Melancholie, die immer von einem gewitzten Lächeln begleitet wird – und die allgemeine Wertschätzung einer humorvollen Weltbetrachtung war im Laufe der Jahre einer konkreteren Einstellung und Differenzierung gewichen.

Genazino veröffentlichte zahlreiche Romane, dazu Theaterstücke, Hörspiele, Essays und viele kleinere Texte zu Fotos oder Postkarten. Die kleine Form, die genaue Beobachtung, das beinahe übersehene Detail konnte er wie kein anderer für sich produktiv machen. Mit Wilhelm Genazino verliert die deutsche Literatur einen ihrer bedeutendsten Spaziergänger und den größten Beobachter der kleinen Dinge des Lebensalltags.

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Von Mario Scalla

Sendung: hr2 Kulturcafé, 14.12.2018, 16:15 Uhr

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