Ruth Fühner

Sie war über Jahrzehnte DIE Stimme von hr2-kultur, jetzt geht sie in Pension. Ruth Fühner hat von früh bis spät moderiert, war als Kritikerin im Theater und auf den großen Festivals, hat Hunderte von Büchern rezensiert.

In den vielen ARD-Büchernächten während der Buchmesse hat sie vor Publikum jene interviewt, die Millionauflagen erzielen und deren Stimmen wir kennen. Und Fernsehen hat sie auch gemacht: "City" hieß das Format über hessische Kultur in den 1990igern. An Silvester moderiert Ruth Fühner zum letzten Mal das hr2-Kulturfrühstück - ein Einschnitt für die Welle und jene Frau, die sicherlich nicht die Hände in den Schoß legen wird, wie wir sie kennen.

Ruth Fühner, es ist soweit, lachendes oder weinendes Auge, dass Sie gehen?

Das Rotlicht wird mir fehlen, der Augenblick, in dem das Mikrofon angeht, und es geht: um alles! (oder beinah...)

Wie sind Sie seinerzeit zum hr gekommen?

Durch Zufall. Eine Freundin machte mich auf "Die Alternative" in hr2-kultur aufmerksam und sagte: "Das ist das Richtige für dich!" Das wars auch. Allein wär ich da aber nie drauf gekommen.

Was hätten Sie wirklich auch werden können/wollen?

Verfahrenstechnikerin? Was für eine Herausforderung: Abläufe, welcher Art auch immer, so elegant wie möglich zu gestalten.

Opernsängerin? Aber bitte auf internationalem Niveau. Insofern ist es besser, dass ich bei meinem Leisten geblieben bin.

Mal ehrlich: Ist es eigentlich schwierig (gewesen), immer wieder um 6 Uhr morgens präsent und fröhlich zu sein?

Nö.

Sie haben auch Fernsehen gemacht, waren aber stets dem Radio treu - welches Medium ist Ihr Liebling, aktiv und passiv?

Fernsehen zu machen finde ich tendenziell aufdringlich.

Wenn man Radio macht, bleibt man unsichtbar. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil!

Lassen Sie uns bitte am lustigsten Versprecher teilhaben?

Daran erinnere ich mich nicht.

An Fehlleistungen schon: den einen toten Dichter hab ich Geburtstag feiern lassen, einem andern frisch nachgerufen, obwohl er schon Jahre unter der Erde lag.

Sie haben Hunderte von Theaterstücken gesehen und besprochen. Gibt es welche, die Sie als "mein schönstes Bühnenerlebnis" gerne noch einmal sehen würden?

Ja, "Die Freie Deutsche Jugend stürmt Berlin" von Christoph Schroth, Schwerin 1988, eingeladen zum ersten deutsch-deutschen Theatertreffen. DDR-Bürger mittleren Alters sangen FDJ-bewegte Lieder, über ihnen hingen ihre Jugendfotos – selten habe ich so sehr nachfühlen können, was das Scheitern von Utopien bedeutet.

Die Literatur hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert, gibt es DEN Roman, der Ihr Leben verändert hat?

Nein. Aber viele Begleiter.

Und Gedichte...?

Zitat
„Immer spielt ihr und scherzt? ihr müßt! o Freunde! mir geht dies
In die Seele, denn dies müssen Verzweifelte nur.“
Zitat von Friedrich Hölderlin: Die Scherzhaften
Zitat Ende
Ruth Fühner beim Abschied von den Kollegen

Und nun die alles entscheidende Frage: Welche Gegenstände oder Bücher nehmen Sie mit auf die einsame Insel, obwohl der Ruhestand ja sicherlich keiner ist...?

Darauf gibt es immer dieselbe Antwort: Die Bibel (obwohl ich bekennende Agnostikerin bin). Naja, und Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Da kann man sich ja in jedem Satz verlieren, das hält ein paar Jahre…

Was kommt? Was bleibt?

Das werden wir sehen. 

Danke und Alles Gute!



Das Interview führte Alf Haubitz im Dezember 2018

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit