MMK Austellung "Museum": Joseph Beuys, Capri-Batterie, 1985

Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt zeigt eine neue Ausstellung, die neugierig macht. Der programmatische Titel: "Museum". Gezeigt werden Künstler-Ikonen genauso wie Newcomer, Werke der Sammlung neben Leihgaben und ganz neuen Auftragsproduktionen.

Das Nichts als Aussage

Die Arbeit von Ryan Gander, ein Luftzug im sonst leeren Raum, irritiert. Und sie stellt unsere Erwartungen in Frage. Denn was ist die Haupterwartung, die man hat, wenn man ein Museum betritt? Dass ich etwas zu sehen kriege, in irgendeiner Form. Skulpturen, Gemälde, Videos, Sound-Installationen, oder was anderes. Und es ist eine wunderbar leichte, poetische Geste, dieser Lufthauch: Denn was dieses "Museum" ist, das hier im Titel über allem steht, ist überhaupt nicht greifbar – oder auf einen klaren Begriff zu bringen. Es entzieht sich und will umkreist werden. Und damit stimmt einen der Luftzug sehr gut auf das ein, was dann noch kommt.

Die Demokratie boxt

Richtig "bewegend" sind zum Beispiel die Video-Arbeiten von Tracey Emin, und Adrian Piper, die beide Tanz als Widerstand praktizieren, als machtvolle Selbst-Ermächtigung. Zu sehen sind auch endlich mal wieder einige Arbeiten von Joseph Beuys aus der Sammlung des MMK – darunter auch die recht frische Neuerwerbung "Boxkampf für direkte Demokratie": Boxhandschuhe und Ringseile einer documenta-Performance aus den 70er Jahren. Und auffallend viele amüsante und humorvolle Arbeiten: Von Marcel Broodthaers, der schon in den 1970er Jahren die zunehmende Kommerzialisierung von Kunst und Museen kritisiert hat. Auf einem weißen Plakat steht von ihm geschrieben: "Museum für Moderne Kunst, wegen Konkurs zu verkaufen"!

Das widerständige Museum

Es geht nicht um die Institution "Museum", also Fragen wie "Wie präsentiere ich Kunst?", "Ist das noch zeitgemäß?" oder ähnliches. Es geht um uns alle. Denn eines wird hier sehr deutlich: Das Museum ist für eine Gesellschaft unabdingbar. Weil Meinungen und Positionen, die sonst in der Gesellschaft maximal am Rande Platz haben, im Museum einen Raum haben – und öffentliche Aufmerksamkeit: Widerstand gegen Unterdrückung z.B., gegen Rassismus, Machtungleichheit, gegen Schwarz-Weiß-Denken und den gesellschaftlichen Mainstream. Und darum brauchen wir Museen als "Möglichkeitsräume", gerade für Außenseiter, für Provokatives, für die gesellschaftliche Selbstbestimmung. Kurz: für eine demokratische und vielfältige, also pluralistische Gesellschaft. Das sehen die Kuratoren des MMK offenbar als eine der Hauptaufgaben des Museums und das zeigen sie mit dieser Ausstellung sehr deutlich - und überzeugend.

Museum
Museum für Moderne Kunst (MMK 1)
Domstraße 10, Frankfurt
Di-So, 10-18 Uhr, Mi bis 20 Uhr

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 19.8.2019, 7:30 Uhr

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