Brahms Requiem

Einer der Leuchttürme der geistlichen Chormusik ist das Deutsche Requiem von Johannes Brahms. Zu den zahlreichen bereits existierenden Aufnahmen kommt jetzt eine hinzu, gespielt auf historischen Instrumenten. Das macht neugierig.

Johannes Brahms hatte keinen Grund, sich an die Liturgie der lateinischen Totenmesse zu halten. Er stammte aus dem protestantischen Hamburg, und der Glaube war für ihn eine sehr selbstbestimmte Angelegenheit. Es sind Bibelworte, die er für sein Requiem auswählte. Worte allerdings, die seiner Vorstellung von Trost eher entsprachen, als das Schreckbild des Jüngsten Gerichts oder die jenseitige Idee von Erlösung. Das Wort Requiem kommt deshalb nur im Titel vor.

Schönheit gegen den Schrecken

Präzise und stimmgewaltig präsentiert sich der Chor. Die aus gerade mal 40 Sängerinnen und Sängern zusammengesetzte Cappella Amsterdam. Zehn pro Stimme, das ist sicherlich das Minimum bei solch einem Werk, aber genug, um einen wuchtigen Sog zu erzeugen. Und wenig genug, um ein köstliches Pianissimo zu singen und den Text gut verständlich zu artikulieren. Das ist ein großes Plus dieser Aufnahme. Sieben Sätze, einer schöner als der andere, formen das Requiem. Wobei Brahms diesen 5. Satz mit dem Sopran-Solo erst nach einem Jahr nachreichte. Der Tod hat hier längst seinen Schrecken verloren.

Historische Aufführung als Rückbesinnung

The Orchestra of the Eighteenth Century spielt in dieser Aufnahme, und dieser Name last aufhorchen. Denn ist dieses Orchester nicht meist mit deutlich älterer Musik zu hören, eine Referenz in Sachen historischer Aufführungspraxis? Nur was hat das mit Brahms zu tun? Voilà: Die Rückbesinnung ist längst in der Hochromantik angekommen, und die Frage ist berechtigt, ob Musik, die vor 150 Jahren uraufgeführt wurde, immer so geklungen hat wie sie heute klingt.

Farbe und Konturen

Die Bläser klingen ein wenig heiserer, die Streicher ein wenig schärfer. Was sonst dunkel wabert und im Weichzeichner die Konturen verliert, setzt sich hier genauer von einander ab. Die einzelnen Zutaten werden erkennbar, ohne dass der Gesamtklang darunter leidet. Daniel Reuss, von Haus aus Chorleiter und seit knapp 30 Jahren Leiter der Cappella Amsterdam, weiß auch die Vielstimmigkeit des Orchesters farbenreich in Szene zu setzen.

Fazit

Die Messe für die Zurückbleibenden, eine Messe des Trostes, erlangte seinerzeit sofort die Gunst des Publikums - und heute wetteifern zahlreiche Einspielungen um Aufmerksamkeit. Diese neue, gespielt auf historischen Instrumenten, lässt aufhorchen. Was sonst dunkel wabert und im Weichzeichner die Konturen verliert, setzt sich hier genauer von einander ab. Die einzelnen Zutaten werden erkennbar, ohne dass der Gesamtklang darunter leidet. Worte spenden Trost und Klänge legen sich wie Balsam auf die Seele.

Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem
Carolyn Sampson, André Morsch
Cappella Amsterdam, Orchestra of the Eighteenth Century, Daniel Reuss
Glossa GCD 921126 / LC 00690

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