Pieter de Graaf: “Fermata”

Wenn Pieter de Graaf in die Tasten greift, entstehen sofort Bilder im Kopf. Szenische Miniaturen, wie direkt aus einem Film entsprungen. Michael Nyman ist nicht weit mit seiner Musik zu "Das Piano" - oder Yann Tiersen, dessen "Valse d‘Amélie" fast noch populärer wurde als der dazugehörige Film.

Das Debütalbum dieses Künstlers aus den Niederlanden ist ein relativ spätes Solodebüt nach mehreren Jahren Erfahrung in verschiedenen Bands und Kollektiven. Wer Melodien wie seine hört, ahnt, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis die Filmindustrie bei Pieter de Graaf anklopft, um ihn für einen Soundtrack zu verpflichten.

Hätten Chopin oder Rachmaninow in unserer Zeit gelebt - wer weiß, welche Musik sie komponiert hätten? Vielleicht gar nicht so weit weg von dem, was Pieter de Graaf macht. Der junge Holländer hat durchaus die Kunst der Klassiker studiert. Seine Stücke entstehen aber aus der Improvisation heraus, einzelne Fragmente formen sich durch mehrmaliges Aufnehmen, Verwerfen und Umstellen zu einem fertigen Stück.

Bei manchen Stücken greift die Elektronik ein, sanft, kaum merklich, wie bei einem guten Elektrofahrrad: man meint, allein mit Muskelkraft zu fahren, aber im Hintergrund schnurrt leise der Akkuantrieb und sorgt für ein geschmeidiges Vorankommen….

Sie ist – wie übrigens das ganze Genre – nichts, was das Rad neu erfinden oder die Welt aus den Angeln heben würde. Aber Pieter de Graaf ist mit "Fermata" ein musikalischer Halte- und Ruhepunkt gelungen, der einen quasi-cineastischen Schönklang zelebriert, ohne zu sehr in Schablonen und Stereotypen zu verfallen.

Ein rundum gelungenes, gut hörbares Erstlingswerk!

Fermata
Pieter de Graaf
Sony Classical

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