David Fray Renaud Capucon Bach-Sonaten

Wenn sich Pianist und Bach-Spezialist David Fray und der Geiger Renaud Capuçon zusammentun, um eine CD mit Geigensonaten von J. S. Bach aufzunehmen, ist das Aufsehen erregend - und überzeugend!

Wie sehr beide Musiker Solisten sind, hört man in der Aufnahme der vier Bach-Sonaten gleich von Anfang an. Es mag das Aufnahme-Ideal sein oder Geschmack des Tonmeisters: Zwischen beiden Musikern herrscht häufig eine sacht spürbare Distanz. Jeder hat seinen eigenen Zugang zu Bach. Fray spielt sehr lyrisch, nach innen, er begleitet nicht, sondern spielt solistisch aus, nicht groß, aber er macht sein eigenes Ding. Capuçon spielt auch auf seine Weise, mit Vibrato, auch sehr lyrisch und einem Legato, das für Bach mitunter zu glissando-artig ist.

Auch wenn beide eine ähnliche Auffassung von Bach-Musik haben mögen, klingt ihr Zusammenspiel nicht wie ein Miteinander, sondern wie ein paralleles Spiel. Es kommt nicht immer zu einem innigen Dialog der beiden, weil sie nicht dieselbe Emphase teilen. Jeder hat seinen eigenen "Flow".

Capucon kostet Melodien auf der Geige klangschön aus, Koloraturen hingegen werden von ihm ein bisschen zu trocken durchbuchstabiert. David Fray hat gerade für schnelle Spielfiguren und Koloraturen eine große Palette an Ausdruck parat: Mal spielt er butterweiche Legatoketten, mal hart geklöppelte Koloraturen , dann wieder rasant den Klang verwischende Tontrauben. Während Fray auf dem Klavier parliert, exerziert Capucon klar Notentext.

In den meisten Sätzen setzt sich die Geige klanglich sehr stark vom Klavier ab. Sie ist schärfer im Klang als der klare, aber weiche Steinway, den Fray spielt. Man hat dadurch den Eindruck, die beiden Musiker stehen gar nicht nebeneinander, sondern sind separiert, als habe man Capuçon absichtlich ein bisschen akustisch in den Vordergrund gehoben.

Die Kombination Fray/Capuçon in Verbindung mit Bach-Sonaten ist sicherlich Aufsehen erregend, weil beide Musiker mit neuen Ideen, eigenem Stil und auch französischer Spieleleganz auf derselben Wellenlänge liegen. Die Umsetzung der Bach-Sonaten hier überzeugt allerdings mal so, mal so. Die Musik ist gut gemacht, keine Frage, aber der Interpretation fehlt insgesamt etwas  Markantes, Wiedererkennbares, was sie deutlich vor anderen Aufnahmen auszeichnet.

Bach
Sonatas for violin and keyboard
Renaud Capucon, David Fray
Erato

Sendung: hr2-kultur, Klassikzeit, 23.5.2019, 11:30 Uhr

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