CD-Tipp - Jerusalem Quartet - The Yiddish Cabaret

Raritäten des jiddischen Kulturguts fördert das Jerusalem Quartet mit Sopranistin Hila Baggio zutage. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag, jüdische Musik und Kultur vor dem Vergessen zu bewahren.

Schließlich ist nicht alles ist dem Holocaust zum Opfer gefallen. Das Jiddische, der typisch scharfe jüdische Humor steckt in weit mehr Dingen, als man vielleicht vermuten würde. Es waren vor allem jüdische Komponisten, die starken Einfluss ausgeübt haben auf den Broadway, die frivole und jazzige Operette, ja sogar auf Hollywood.

Verzweiflung und Selbstironie

Das Jerusalem Quartet hat Kompositionen des Tschechen Erwin Schulhoff ausgewählt, der im Konzentrationslager starb, und des Österreichers Erich Wolfgang Korngold, der in die USA emigrierte und – wenn auch wider Willen – in Hollywood große Erfolge als Filmkomponist feierte. Das Herzstück dieses neuen Albums aber sind die fünf jiddischen Lieder für Stimme und Streichquartett des russischen Komponisten Leonid Desyatnikov. Er hat fünf erhalten gebliebene Liedtexte ausgewählt und neu vertont – ein spannendes historisches Dokument, das das jüdische Stadtleben in Polen beschreibt: Zwischen purer Verzweiflung und bissiger Selbstironie.

Fazit

Dass ein kleiner Teil dieser kostbaren jiddischen Kultur, die zwischen den beiden Weltkriegen entstanden ist, heute wieder eine Stimme bekommt, ist das großartige Verdienst der vier israelischen Musiker und der Sopranistin Hila Baggio. Ein rührendes und zugleich bissig-humorvolles Stück Erinnerungskultur.

The Yiddish Cabaret - Erich Wolfgang Korngold, Erwin Schulhoff, Leonid Desyatnikov
Jerusalem Quartet
harmonia mundi

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 18.7.2019, 06:45 Uhr

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