CD-Tipp - Pogorelich - Beethoven Rachmaninov Piano Sonatas

Ivo Pogorelich meldet sich zurück auf dem Plattenmarkt. Nach über 20 Jahren erscheint ein mit Spannung erwartetes Studio-Album des legendären Pianisten. Wir haben reingehört.

Eine ungewöhnliche Comeback-CD mit zwei wenig bekannten Sonaten von Ludwig van Beethoven und der zweiten Sonate von Sergeij Rachmaninow. Sich sklavisch an den Notentext zu halten, das war noch nie sein Ding. Ivo Pogorelich setzt sich hinweg über Tempo- und Lautstärkeangaben.

Eigenwillig wie eh und je

Er überpunktiert Noten, missachtet Akzentuierungen und Legatobögen, spielt auf seine Art Beethoven. Schon als junger Mann hat er immer seinen ganz eigenen Weg zur Musik gefunden. Seine Kompromisslosigkeit hat Kritiker und Publikum entzweit. Entweder man liebte Pogorelich oder fand ihn unerträglich. Das polarisiert. Damals wie heute.

Rachmaninows zweite Sinfonie in knapp 30 Minuten

In der zweiten Klaviersonate von Sergej Rachmaninow nimmt sich Pogorelich sehr viel Zeit - schon aber mit seinem kräftigen Anschlag den Flügel nicht. Für mehr Klarheit im Großen und Ganzen sorgt er mit seiner Rachmaninow-Interpretation nicht. Zu oft verweilt er im Augenblick und zerdehnt die Musik, sodass man den Überblick verliert. Dafür wird man aber reichlich beschenkt mit wunderbar lyrischen und nachdenklichen Momenten.

Fazit

Wer es lieber "straight" mag, der kommt bei Pogorelich nicht auf seine Kosten. Zum Kennenlernen des Repertoires ist diese CD eher ungeeignet. Da sollte man sich erst einmal mit konventionelleren Aufnahmen vertraut machen. Für Pogorelich-Fans ist diese CD dagegen ein Muss! Und für Klaviermusik-Liebhaber bietet sie interessante Interpretationsansätze.

Ivo Pogorelich
Beethoven Piano Sonatas opp. 54 & 78 Rachmaninoff Piano Sonata No. 2 op. 36
Sony Classical

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 28.8.2019, 8:45 Uhr

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