Cover Nais
Cover Nais Bild © Glossa

Die Oper "Naïs" ist dem Aachener Friedensschluss von 1748 zu verdanken. Die gekrönten Häupter Europas beendeten den achtjährigen Erbfolgekrieg um den österreichischen Kaiserthron. Das musste gefeiert werden – und besonders opulent feierten die Franzosen, mit der "Naïs", die der große Jean-Philippe Rameau komponierte. Der ungarische Barockexperte György Vashegyi hat sie nun mit dem Purcell Choir, dem Orfeo Orchestra und einer illustren Sängersolistenschar neu eingespielt.

Audiobeitrag
Cover Nais

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Die Götter müssen verrückt geworden sein!" Ursula Böhmer über die Rameau-CD

Ende des Audiobeitrags

Die Götter müssen verrückt geworden sein! Denn die Giganten und Titanen aus der antiken Mythologie wollen im Prolog zur Oper „Naïs“ buchstäblich hoch hinaus. Sie wollen den Olymp angreifen - um Göttervater Jupiter vom Thron zu stürzen. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall – und im Saal des Palais-Royal in Paris, wo die Oper „Naïs“ 1749 uraufgeführt wurde, fielen die Titanen besonders tief. Denn dank ausgefeilter Bühnentechnik wurden sie samt Bergkulisse einfach unter die Bühne versenkt. Immerhin hat Jupiter hier aber aus dem Aufstand gelernt – und teilt seine Macht künftig mit anderen Göttern: Pluto bekommt die Unterwelt und Neptun die Meereswelt.

György Vashegyi
Dirigent György Vashegyi Bild © Glossa

Göttervater Jupiter steht stellvertretend für den französischen König Ludwig XV. Ihm soll hier gelobhudelt werden. Denn auch Ludwig hatte gerade auf Teile seiner Macht verzichtet – und jene Landstriche zurückgegeben, die seine Truppen während des Österreichischen Erbfolgekriegs erobert hatten. Acht Jahre hatte dieser Krieg gedauert, in dem halb Europa mitkämpfte – und das sogar in den Kolonien in Indien und Amerika. 1748 folgte endlich der Friedensschluss zu Aachen. Die Franzosen feierten - und gingen dazu auch in die Oper.

Opéra pour la paix

Rameau komponierte den Sänger-Virtuosen seiner Zeit wunderschön empfindsame Arien auf die Stimmbänder und stellte ihnen ein Großaufgebot an Streichern, Flöten, Oboen und Fagotten zur Seite. Außerdem eine Musette - eine historische Sackpfeife, damals groß in Mode.

Weitere Informationen

Jean-Philippe Rameau: Naïs

Chantal Santon Jeffery, Reinoud van Mechelen, Florian Sempey, Thomas Dolie, Purcell Choir, Orfeo Orchestra, György Vashegyi
Glossa (LC 00690)
Bestell-Nr: 8148574

Ende der weiteren Informationen

Kein Wunder, dass die Oper "Naïs" in Paris zum Kassenschlager wurde. Und von dieser Wirkmacht hat sie bis heute nichts eingebüßt – zumal, wenn ebenso virtuose wie sensible Künstler am Werk sind wie auf dieser neuen Aufnahme: Allen voran Chantal Santon-Jeffery und Reinoud Van Mechelen als göttliches Liebespaar. Absolute Hinhörer sind aber auch das fantastische Orfeo Orchestra und der klangstarke Purcell Choir. Beide Ensembles sind in Ungarn zuhause und wurden gegründet von dem Barockexperten György Vashegyi, der sie nun auch hier versiert zusammenhält.

Fazit

Französische Barockoper trifft auf ungarische Barockliebhaber – eine hörenswert-spannende Mélange.

Vorgestellt von Ursula Böhmer

Sendung: hr2-kultur, Klassikzeit, 23.5.2018, 10:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit