Kaiser Titus
Milder Kaiser: Titus Bild © Imago

Die Opernfans haben schon darauf gewartet. Endlich legt die Deutsche Grammophon nach: Mit "La Clemenza di Tito" erscheint die fünfte Mozart-Oper, die im Festspielhaus Baden-Baden aufgenommen wurde, unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin. Das Warten hat sich gelohnt!

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"La Clemenza di Tito" ist Mozarts letzte Oper, 1791 in Eile und unter Druck geschrieben für die Krönungsfeierlichkeiten von Kaiser Leopold II. Die Rezitativlastigkeit macht Mozart wett durch Soloarien und Ensembleszenen, die es mit allen anderen seiner Opern aufnehmen können. Mozart vertont ein Universum der Gefühle.

Zu einem regelrechten Mozart-Experten ist Yannick Nézet-Séguin inzwischen geworden. Und dass sich Mozarts Musik mit all ihren Nuancen und Farben bestens auf modernen Instrumenten spielen lässt, das beweist erneut das Chamber Orchestra of Europe. Auch der exzellente RIAS-Kammerchor ist wieder mit von der Partie und überzeugt durch Präzision und homogenen Klang. Und beim Solistenensemble wurde nicht gekleckert sondern geklotzt. An fast allen Stimmen kann man sich gar nicht satt hören. Da sind die US-amerikanische Mezzosopranistin Joyce DiDonato in der Hosenrolle des Sextus und die lettische Sopranistin Marina Rebeka als Vitellia. Sie klingen berührend schön – ob allein oder zu zweit.

Wermutstropfen Villazón

Aber Tenor Rolando Villazón fällt im Gesangsensemble stimmlich, technisch und stilistisch ab. Er muss Töne von unten anschleifen, er singt vieles zu laut und mit zu viel Druck, er hat intonatorische Schwächen und seine Stimme klingt in der Höhe oft eng. Vor allem aber überzeugt er hier stilistisch nicht als Mozart-Tenor. Villazón singt, als wäre er der ungestüme Liebhaber in einer Verdi- oder Puccini-Oper. An Leidenschaft für Musik fehlt es ihm wahrlich nicht, das kann seine Stimmmängel aber nicht kompensieren gerade nicht bei Mozarts Titus.

Der neue MET-Chef nimmt Anlauf

Für Yannick Nézet-Séguin ist es bereits die fünfte, für das Chamber Orchestra of Europe die vierte Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus Baden-Baden. Seit 2011 werden dort Mozart-Opern konzertant aufgeführt, live mitgeschnitten und von der Deutschen Grammophon auf CD herausgegeben. Seit bekannt ist, dass Nézet-Séguin designierter Musikchef der New Yorker Met ist, hört man vielleicht noch etwas genauer hin. Es lohnt sich.

Weitere Informationen

Mozart – La Clemenza di Tito

Villazón – Rebeka – DiDonato – Mühlemann – Erraught – Plachetka
Chamber Orchestra of Europe
Yannick Nézet-Séguin
Deutsche Grammophon 4385 5210 (2 CDs)

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Fazit

Obwohl Rolando Villázon als Titus stimmlich nicht auf der Höhe ist, ist "La clemenza di Tito" aus Baden-Baden eine Aufnahme, die man nur empfehlen kann. Yannick Nézet-Séguin macht Mozarts Musik mit Chor, Orchester und Solisten zu einem wunderbaren Erlebnis für die Ohren.

Vorgestellt von Meinolf Bunsmann

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