CD-Tipp - Schumann Dicherliebe - Jost Doufexis

So schön wehmütig und durchdacht hat man die Lieder aus Schumanns Dichterliebe selten gehört. Es ist auch die posthum erscheinende, letzte Aufnahme der vielseitigen Mezzosopranistin Stella Doufexis. Eine außergewöhnliche CD, aufgenommen mit Feinsinn und Behutsamkeit.

Doppelt besonders

Stella Doufexis ist eine der ersten Frauen, die diese eigentlich für eine Männerstimme gedachten Lieder singt. Zudem enthält die zweite CD des bei der Deutschen Grammophon erschienenen Doppelalbums eine Bearbeitung von Schumanns "Dichterliebe" für Kammerensemble.

Ergreifend, nie pathetisch

Stella Doufexis verleiht den Liedern mit ihrem schlanken Mezzosopran eine zutiefst ergreifende Intimität. Sie klingt kühl, aber nie kalt; sinnlich, aber nie pathetisch; klar im Ausdruck, mit hundertprozentiger Textverständlichkeit. Der Ton sitzt immer perfekt, vom ersten Moment an, in dem er erklingt. Dazu kommt mit Daniel Heide ein Pianist, der jede noch so kleine Nuance der Tongebung genauestens zu setzen versteht. Jeder Klavierton klingt wie ein aufblitzender Stern.

Eine ganz persönliche Erinnerung

Nicht weniger ergreifend ist die Musik auf der zweiten CD dieses Doppelalbums. Die Fassung der "Dichterliebe" für ein neunköpfiges Kammerensemble hatte ursprünglich auch Stella Doufexis singen sollen. Diese Bearbeitung stammt von ihrem Witwer, dem Komponisten Christian Jost. Sie ist zu seiner ganz persönlichen Erinnerung an eine vergangene Liebe geworden. Mit Feinsinn und Behutsamkeit gehen auch die Interpreten der Aufnahme zu Werke: der dänische Tenor Peter Lodahl und das Horenstein Ensemble, das von Christian Jost dirigiert wird. Am Klavier sitzt wieder Daniel Heide.

Fazit

Der schmale Grat zwischen Schmerz und Leichtigkeit, der die Dichterliebe auszeichnet, zeigt sich auf diesem Doppelalbum in besonderem Maße. Sowohl in Christian Josts Interpretation als auch in der von Stella Doufexis.

Robert Schumann: Dichterliebe, Liederkreis op. 39
Christian Jost: Dichterliebe
Stella Doufexis, Daniel Heide, Peter Lodahl, Horenstein Ensemble, Christian Jost
Deutsche Grammophon

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 5.6.2019, 8:40 Uhr

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