Clara Schumann

Die Beschäftigung mit Clara Schumann ist wie ein Puzzle - sagt Klavierprofessorin Gudrun Franke. Vieles ergibt beim Zusammenfügen erst seinen ganzen Sinn. Im Gespräch mit hr2-kultur berichtet Gudrun Franke über die einmalige Art des Unterrichts bei Clara Schumann, die Wirkung ihrer Schüler von Frankfurt bis New York und die gesellige Seite der sonst so strengen Pädagogin.

Clara Schumann war Klaviervirtuosin, Pädagogin und Komponistin. Heute beschäftigen sich Musiker und auch Musikwissenschaftler in Leipzig vor allem mit ihrer Arbeit als Pädagogin. 1878 geht Clara Schumann nach Frankfurt und prägt 14 Jahre lang als "Erste Klavierlehrerin" von Dr. Hoch's Konservatorium das Musikleben der Stadt. Maßgeblich an der Vorbereitung und Forschung um die Pädagogin Clara Schumann und ihre Schüler beteiligt ist die Klavierprofessorin Gudrun Franke.

Was ist so spannend an Clara Schumann als Pädagogin?

Gudrun Franke: "Im 200. Jahr ihres Geburtstags überlegt man sich natürlich gut, wie man der Persönlichkeit wirklich sehr nahe kommen kann. Was mich besonders gereizt hat: sie wird meistens reduziert auf die 20 Jahre als Wunderkind - unter der strengen Führung von Friedrich Wieg. Dann die Zeit an der Seite von Robert Schumann. Und dann? Danach bleiben noch 41 Jahre übrig. Was hat sie da getan?"

Wie sind sie bei der Nachforschung vorgegangen?

Gudrun Franke: "Wir haben aus vielen auch englischen Schriften der Schüler, die so kursieren, versucht herauszufinden, was den Unterricht von Clara Schumann ausmacht. (...) Das geht so weit, dass sie ganz konkrete Anweisungen gibt: 'bitte die Handgelenke nicht zu hoch, Schultern bitte runter.' Sie hat auch am Klang natürlich ganz viel gearbeitet. Man liest da z.B.: 'Warum hämmern Sie die Mondscheinsonate so?' Es gibt auch Äußerungen wie: 'Also, die Schüler am Stuttgarter Konservatorium, die stakeln ja auf dem Klavier herum!' Die wollte sie am liebsten nicht aufnehmen."

Also haben Sie sehr viel gefunden, auch über ihre klanglichen Vorstellungen.

Gudrun Franke: "Ja, ganz interessant ist auch, wie sie den Rhythmus immer wieder in den Vordergrund rückt. Weil der ist eigentlich der Schlüssel, der zeigt uns genau, wie die Takte schwingen müssen, wie die Bögen laufen müssen. Und was mich daran wirklich besonders fasziniert hat, ist, dass sie die Noten wirklich lesen konnte wie so eine Geheimschrift: dass sie wirklich hinter den Zeilen, oder zwischen den Zeilen gelesen hat - und das auch von ihren Schülern verlangt hat."

Mehr zum Thema:
Ausstellung "Clara Schumann: Eine moderne Frau im Frankfurt des 19. Jahrhunderts"
Institut für Stadtgeschichte
Münzgasse 9
Frankfurt am Main

Hier geht's direkt zur Seite der Ausstellung

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 16.5.2019, 6:45 Uhr

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