"Der ferne Klang" an der Oper Frankfurt
"Der ferne Klang" an der Oper Frankfurt: Julia Dawson als Mizi (Mitte), Jennifer Holloway als Grete Graumann (dahinter) Bild © Oper Frankfurt/ Barbara Aumüller

Eine Oper, die 1912 ihre Uraufführung an der Oper Frankfurt erlebt hat, kehrt jetzt zurück: "Der ferne Klang" von Franz Schreker. Die aktuelle Inszenierung in Frankfurt versetzt die Zuschauer in rauschhafte Zustände. hr2-Opernkritikerin Natascha Pflaumbaum war bei der Premiere - begeistert.

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"Der ferne Klang" an der Oper Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Grete liebt drei Stunden lang - und am Ende scheitert sie

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In den 1920ern war Franz Schreker als Opernkomponist ein Star. Seine Opern hatten zeitweise höhere Aufführungszahlen als die von Richard Strauss. Aber als Kind einer jüdischen Familie wurde er später von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert, seine Werke waren bis in die 70er hinein fast vergessen und bis heute kehren sie nur langsam an die Bühnen zurück.

Wie ist der musikalischen Stil?

"Der ferne Klang" an der Oper Frankfurt
"Der ferne Klang" an der Oper Frankfurt: Julia Dawson als Mizi (Mitte), Jennifer Holloway als Grete Graumann (dahinter) Bild © Oper Frankfurt/ Barbara Aumüller

Die Stimmen sind wunderbares Belcanto, die Musik kommt romantisierend daher, in breiten Flächen. Schreker versucht Gefühle quasi musikalisch "abzufotografieren": Liebe wallt groß auf wie bei Puccini oder Wagner, Stimmungen werden durch Geigenklänge fein ziseliert, fast impressionistich. Schreker lässt sich musilkisch sicherlich nicht in irgendeine Schublade stecken.

Worum geht es in dieser Oper?

"Der ferne Klang" an der Oper Frankfurt
Bild © Oper Frankfurt/ Barbara Aumüller

Diese Liebesgeschichte um Grete, die aus Kummer weggeht und sich als Kurtisane verdingt, geht nicht gut aus. Grete (Jennifer Holloway) idealisiert Fritz (Ian Koziara), der als Komponist wiederum den "fernen Klang" als die perfekte Musik anstrebt. Am Ende scheitern beide, weil beide Ideale nicht erreichbar sind. Regisseur Damiano Michieletto schafft Doppelgänger auf der Bühne, alte Greten und Fritze, die als langjähriges Liebespaar auftreten.

... also eine Inszenierung voller Phantasiegestalten?

Der ferne Klang Oper Frankfurt
Bild © Oper Frankfurt/Barbara Aumüller

Im riesigen, weißen Saal werden auf große durchscheinende Leinwände Bilder projiziert: Die Seelenzustände eben jener Fritzens und Gretes, die in verschiedene n Epochen aufeinandertrteffen und miteinanderleben: Sie betreten immer weider neue Räume ihrer Identität. Die strenge und schlichte Bühne wird erst durch die Farbregie lebendig.

Eine Empfehlung?

Unbedingt! Die Sopranistin Jennfer Holloway und Dirigent Sebastian Weigle sind die Stars dieser Aufführung. Die große Stimme und der große Klang des Orchesters sind überwältigend. Diese Oper ist eine poetische Liebeserklärung im phantasmagorischen Gewand, man verlässt das Opernhaus mit einer Überraschung: Welch große Gefühle habe ich hier erlebt!

Weitere Informationen

Der ferne Klang

von Franz Schreker (1878-1934)
Oper in drei Aufzügen

Aufführungen an der Oper Frankfurt:
6., 13., 19., 26., 28. April; 4. und 11. Mai 2019

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