Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf bei Salzburg
Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf bei Salzburg Bild © Imago Images

"Stille Nacht, heilige Nacht" gilt als eines der weltweit meist gesungenen Weihnachtslieder. Auch kommerziell ist es erfolgreich. Alleine die Aufnahme mit Bing Crosby aus dem Jahr 1939 soll sich bis heute über zehn Millionen mal verkauft haben. Genau 200 Jahre ist das Lied jetzt alt, am Heiligabend des Jahres 1818 wurde es zum ersten Mal gesungen.

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Gedenktafel Stille Nacht

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So unterschiedlich kann "Stille Nacht" klingen

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Um die Entstehung dieses Lieds ranken sich viele Mythen. Der bekannteste Mythos gibt tatsächlich den Mäusen des kleines Örtchens Oberndorf bei Salzburg die Schuld. Die sollen im Jahr 1818 die Orgel der Pfarrkirche St. Nikola angefressen haben, so dass sie für die Christmesse unbrauchbar wurde. Verbürgt hingegen ist, dass der 23-jährige Hilfspriester Joseph Mohr den Oberndorfer Organisten Franz Xaver Gruber am 24. Dezember 1818 darum bat, für die Christmesse ein Gedicht zu vertonen, das er selbst zwei Jahre zuvor verfasst hatte. Gruber komponierte fix.

Wiesenseehof in Hochfilzen, Österreich
Wiesenseehof und Kapelle in Hochfilzen, Österreich Bild © Imago Images

In seiner Wohnung im benachbarten Arnsdorf, wo er als Dorfschullehrer tätig war, entstand noch am selben Tag die Urfassung von "Stille Nacht, heilige Nacht". Nach der Christmesse wurde sie von den beiden Autoren aufgeführt: Im zweistimmigen Gesang mit Gitarrenbegleitung. Das Lied wird ein Erfolg, zunächst aber nur in Oberndorf. Bis der Orgelbauer Carl Mauracher aus dem Zillertal den Auftrag erhält, die Orgel in der St. Nikola-Kirche zu reparieren. Dabei lernt er das Lied kennen und bringt es mit in seine Tiroler Heimat.

Offizielles sächsisches Kirchenlied

Die dortigen Bauernfamilien können nur überleben, wenn sie in den Wintermonaten als Warenhändler durch Europa reisen. Angekurbelt wird der Verkauf durch das Singen von Tiroler Volksliedern, die sie so international bekannt machen. Von 1831 bis 1834 singen die Zillertaler Geschwister Strasser aus Laimach "Stille Nacht, heilige Nacht" auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt. Sie werden zum Geheimtipp in der Stadt und treten sogar im Gewandhaus auf. Das Lied erscheint alsbald auf gedruckten Flugblättern, später sogar in einer Drucksammlung namens "Vier ächte Tyroler Lieder". 1838 wird es in das "Gesang- und Gebetbuch der katholischen Gemeinde im Königreiche Sachsen" aufgenommen. Vermutlich auf die Geschwister Strasser geht die so genannte "Zillertaler Fassung" zurück.

Ein Urheber, viele Nachahmer

Die Rainer Family1839 in New York
Die Rainer Family1839 in New York Bild © Privatarchiv Martin Reiter/ SalzburgerLand Tourismus GmbH

Zu den Mitbegründern der Tiroler Nationalsängertradition gehört auch die Familie Rainer aus Fügen im Zillertal. Als "The Rainer Family" verbreitet sie das Lied ab 1839 in Amerika, wo es seine erste Aufführung in der Trinity Church von New York erlebt. 1851 wird es als "Silent night, hallow'd night" in einem New Yorker Liederbuch abgedruckt. Die Rainers reisen auch durch ganz Europa und als der preußische König Wilhelm IV. das Lied hört, fordert er für seine Hofkapelle eine Abschrift in Salzburg an. Davon erfährt der Komponist Franz Xaver Gruber, der mittlerweile als Chorregent im nahe gelegenen Hallein tätig ist. Er verfasst eine schriftliche Stellungnahme mit dem Titel "Authentische Veranlassung zur Composition des Weihnachtsliedes ‚Stille Nacht, heilige Nacht'". Darin stellt er klar, dass er der Komponist des Liedes ist, bis dahin hatte man es für ein Tiroler Volkslied gehalten.

Aus einem Dorf um die ganze Welt

Im Städtchen Hallein bei Salzburg entsteht auch Grubers Fassung für Chor, Streicher und Horn. 1866 erscheint "Stille Nacht, heilige Nacht" im offiziellen Kirchenbuch. Auf der Wiener Weltausstellung von 1873 erklingt es als "Choral aus Salzburg". Bereits an der Wende zum 20. Jahrhundert wird es – verbreitet durch Missionare – auf allen Kontinenten gesungen. Spätestens mit der medialen Verbreitung im 20. Jahrhundert ist der Erfolg nicht mehr aufzuhalten.

Kulturerbe der Menschheit

2011 wird das Lied von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Im Jahr 2018 bezeichnen sich zahlreiche Gemeinden in Oberösterreich, im Salzburger Land und in Tirol als so genannte "Stille-Nacht-Orte". Dazu gehören u.a. die Geburtsstädte und Wirkungsorte der Verfasser oder die Heimatorte der Familien Strasser und Rainer im Zillertal. In Oberndorf, das heute knapp 6.000 Einwohner zählt, gibt es einen Stille-Nacht-Bezirk. Zu ihm gehören der Stille-Nacht-Platz und das Stille-Nacht-Museum, vor allem aber die Gedächtniskapelle, die seit 1937 am Ort der früheren Pfarrkirche St. Nikola steht, in der "Stille Nacht, heilige Nacht" uraufgeführt wurde. Am 24. Dezember 1818, vor 200 Jahren.

Erinnerungen im Salzburger Land

Die Tourismuszentrale der Heimat des vielleicht berühmtesten Weihnachtslieds der Welt hat Videos zu Entstehung und Verbreitung in einer Youtube-Playlist ins Netz gestellt.

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In einer Landesausstellung widmet sich das österreichische Bundesland Salzburg dem berühmten Lied.

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