Konzert Allgäu meets India / Besson-Sternal-Burgwinkel Trio / Sfumato

Programm
Jazzfestival 2018 Tag 2
Uhr (Einlass)
Frankfurt am Main
Hessischer Rundfunk
Betramstraße 8
60320 Frankfurt am Main

Jodeln auf indisch mit der hr-Bigband und zwei hochkarätig besetzte deutsch-französische Projekte sorgen am Donnerstagabend im hr-Sendesaal für Überraschungsmomente.

1. Konzert

“Allgäu meets India"
hr-Bigband featuring Matthias Schriefl

Matthias Schriefl | Leitung, Brass Instruments, Alphorn, Vocals
Amith Nadig | Bansuri, Konnakkol
Vinod Shyam | Mrudangam, Tabla, Konnakkol
Sunaad Anoor | Khanjira, Konnakkol
Lars Andreas Haug | Alphorn
Sarah Buechi | Vocals
Sebastian Merk | Drums, Keyboards, Percussion, Guitar
hr-Bigband

Matthias Schriefl
Matthias Schriefl Bild © Gerhard Richter

Matthias Schriefl dürfte der einzige Jazzmusiker sein, dessen Website man sich auch in Allgäuerisch anzeigen lassen kann. Dort liest man, dass ihn »dia Alpemusig vo dohoi rum inschpiriert« habe. Wie kaum ein anderer versteht es Schriefl, Alpenfolklore, Jazz, Punk und neue Kammermusik zusammenzudenken und mit einer krachledernen Prise Slapstick zu garnieren. Für das 49. Deutsche Jazzfestival Frankfurt geht der Allgäuer Tausendsassa noch einen Schritt weiter, bis hin zur indischen Musik, und schreibt ein Programm speziell für die hr-Bigband und illustre Gäste. Heimatsounds fürs Global Village, selbst »gjodlet wird o no do, off indisch«.

Schriefls Schabernack bewegt sich dabei immer auf höchstem musikantischem Niveau. Nicht umsonst war der Weg des einstigen musikalischen Wunderkinds mit Preisen nur so gepflastert. Heute gefällt sich Matthias Schriefl als Seiltänzer, der ohne Sicherheitsnetz die Gratwanderung zwischen Kunst und Komik wagt und dabei mit allem jongliert, was sich gerade so anbietet. Selbst eine anarchistische "Schlagerparty" und ein "Moving Krippenspiel" finden sich unter seinen Bandprojekten. Dank Charlie Mariano, der den jungen Trompeter eingeladen hatte, ihn auf einer Tournee mit dem Karnataka College of Percussion zu vertreten, entdeckte der Allgäuer die Faszination der südindischen Musik. Zusammen mit dem Flötisten Amith Nadig rief er die Band Amithias ins Leben, die nun um zwei Perkussionisten aus Indien erweitert wird. Dabei wird der rhythmische Sprechgesang Konnakkol eine Rolle spielen: Die indischen Lautsilben, die das Jazzpublikum in den 70er Jahren etwa durch John McLaughlins "Shakti" kennenlernte, gelten nicht nur als das elaborierteste rhythmische System  der Welt, sondern auch als die älteste bis heute praktizierte klassische Kunstform.

Gemeinsam mit der hr-Bigband, der renommierten Schweizer Sängerin Sarah Buechi und dem Ex-Frankfurter/Wahlberliner Multiinstrumentalisten Sebastian Merk wird Schriefl eine opulente Begegnung zwischen West und Ost inszenieren. Da trifft das Alphorn auf die Bansuri-Flöte, Jazzgrooves auf Kala-Zyklen, abendländische Harmonik auf Raga-Modi und nicht zuletzt alpenländische auf fernöstliche Spiritualität. "Eine virtuose Begegnung, die so nur in den himmlischen Gefilden der grenzenlosen, puren Freude an Musik stattfinden kann", verspricht der Spiritus Rector des Unternehmens. Lustvolles "Schriefln" scheint garantiert.

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Im Youtube-Video: Matthias Schriefl und Shreefpunk plus Strings live in der Philharmonie Köln feat. Django Bates

2. Konzert

Besson/Sternal/Burgwinkel Trio

Airelle Besson | Trumpet
Sebastian Sternal | Piano, Fender Rhodes
Jonas Burgwinkel | Drums

Besson / Sternal / Burgwinkel Trio
Besson / Sternal / Burgwinkel Trio Bild © Kevin Gruetzner

„Die Musikszene in Frankreich ist im Moment sehr dynamisch“, sagt Airelle Besson. Die 40jährige Pariserin gehört zu einer neuen Generation von JazzmusikerInnen, die versucht, Grenzen zu überschreiten. Frisch und jung wollen sie klingen, auch Pop- und Rockelemente werden verarbeitet. „Dennoch ist und bleibt das Jazz“, erklärt Besson, „denn wir improvisieren viel – und Improvisation ist für mich so etwas wie das Leben der Musik!“

Doch die vielfach preisgekrönte Trompeterin mit dem weichen und lyrischen Ton kann viel mehr: Nach ihrem Jazz-Studium am Pariser Konservatorium ließ sie sich vier Jahre lang zur Dirigentin ausbilden, lernte so, wie man mit MusikerInnen umgeht und sich als Frau vor einem großen Orchester behauptet. Einige Jahre lang war Besson Mitglied im renommierten „Orchestre National de Jazz“, arbeitete in verschiedenen Tanzprojekten, außerdem mit Carla Bley, Charlie Haden, Dave Liebman und unterhält natürlich eigene Projekte.  In Frankfurt wird es zu einem der seltenen Konzerte des Trios von Besson mit Sebastian Sternal und Jonas Burgwinkel kommen. Kennengelernt haben sich die drei vor einigen Jahren in der Band des Bassisten Ricardo del Fra. Ein erstes Trio-Konzert von Sternal, Burgwinkel und Besson funktionierte dann derart gut, dass man beschloss, weiter zusammen zu arbeiten, und zwar ganz bewusst ohne Bass. Für Schlagzeug und Piano ergibt das „untenrum viel Platz, den man sehr kreativ nutzen kann“, freut sich Jonas Burgwinkel, „und das bringt  dem Trio mehr Leichtigkeit und Flexibilität.“

Jonas Burgwinkel zählt ohne Zweifel inzwischen zu den kreativsten und dadurch gefragtesten Schlagzeugern der Szene. Ob im Pablo Held Trio, in den Bands mit Hayden Chisholm, Frederik Köster, Niels Klein, Kit Downes oder in den eigenen Projekten: überall fasziniert der 37jährige durch seine ungeheuer leicht und federnd wirkende und doch technisch so anspruchsvolle und aufregende Art, das Schlagzeug zu bedienen. Besonders gern und häufig arbeitet Jonas Burgwinkel mit Pianist Sebastian Sternal zusammen, vor allem in dessen Trio.  Im vergangenen Jahr veröffentlichte Sternal gemeinsam mit Burgwinkel und dem amerikanischen Star-Bassisten Larry Grenadier sein Aufsehen erregendes Album „Home“.

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Sternal, der in Köln und Paris studierte und heute als Professor für Jazz-Klavier in Mainz lehrt, ist ein Pianist und Komponist mit einer reichen Palette an Klangfarben, stilistischen Möglichkeiten und musikalischen Visionen. 

Im Trio „Besson/Sternal/Burgwinkel“ treffen drei starke und gleichberechtigte Individualisten aufeinander, die sich gegenseitig viel Platz zur spontanen Ausgestaltung geben werden. 

3. Konzert

Sfumato

Emile Parisien | Sopranosax
Joachim Kühn | Piano
Manu Codjia | Guitar
Simon Tailleu | Bass
Mario Costa | Drums

Emile Parisien Sfumato Quintet with Joachim Kühn
Emile Parisien Sfumato Quintet with Joachim Kühn Bild © Christophe Charpenel

Schon einmal stand Emile Parisien auf der Bühne des Frankfurter Festivals: 2015 war das, im Duo mit dem Akkordeonisten Vincent Peirani. Gegenseitig überboten sich die beiden Shooting-Stars aus Frankreich mit virtuoser Spielfreude und überbordender Musikalität. Dabei jonglierten sie so mühelos mit Jazz, Folklore und anderen Ingredienzen, als ob sie all das mit der Muttermilch aufgesogen hätten. Mittlerweile hat Parisien weiter an Reputation gewonnen. Sein Album "Sfumato" wurde neben etlichen anderen Auszeichnungen mit dem "Victoires du Jazz" als Album des Jahres ausgezeichnet, dem renommiertesten Musikpreis, den Frankreich zu vergeben hat.

Das Album "Sfumato" markierte das Debut der gleichnamigen neuen Besetzung, die Parisien für das Jazzfestival von Marciac zusammengestellt hatte. 2015 erhielt er dort eine carte blanche und nutzte sie, um dieses Quintett mit Joachim Kühn zu gründen. Unter quasi umgekehrten Vorzeichen entstand so eine ähnlich fruchtbare Allianz wie hier zu Lande die zwischen Michael Wollny und Heinz Sauer. Der 34jährige Parisien und der 72jährige Kühn sind sich in ihrer rastlosen Entdeckerlust ebenbürtige Partner. Furchtlos lassen sie sich auf improvisierte Dialoge ein und animieren sich gegenseitig zu mitreißenden Höhenflügen. Mit Manu Codija bereichert einer der interessantesten Gitarristen der französischen Szene die Besetzung. Als Sideman von Henri Texier, Daniel Humair oder Eric Truffaz erlangte er größere Bekanntheit. Seine düster verzerrten Akkorde und virtuosen Eruptionen setzen starke Akzente im Bandsound von Sfumato. Zusammen mit Bassist Simon Tailleu und Schlagzeuger Mario Costa agiert diese Truppe bereits auf ihrem Debutalbum so schlagkräftig, als ob sie schon Jahre des Zusammenspiels auf dem Buckel hätte.

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Schwindelerregende Improvisationen, energiegeladene Grooves, virtuose Themen und die absolute Freiheit von stilistischen Scheuklappen lassen die Auftritte dieser Band zu einem Erlebnis werden. Melodienselige Folklore und die Abstraktion der freien Improvisationen, komplexe Jazzthemen und Passagen mit Pop-Appeal: nichts ist unmöglich und es wird garantiert nicht langweilig. Der aus der Malerei entlehnte Begriff des Sfumato scheint hier die Kunst zu bezeichnen, scheinbar Fremdes miteinander zu verbinden, ohne es seiner Eigenständigkeit zu berauben. Der durch Leonardo da Vinci berühmt gewordene "neblige Dunst" reißt hier immer wieder auf und gibt überraschende Ausblicke frei: auf schroffe Abgründe und Landschaften von berückender Schönheit.

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