Konzert Oddarrang / Helbock / SFJAZZ Collective

Programm 2018
Jazzfestival-tag3
Uhr (Einlass)
Frankfurt am Main
Hessischer Rundfunk
Bertramstraße 8
60320 Frankfurt am Main

Der Freitagabend im hr-Sendesaal schlägt einen Bogen von hypnotischen Sounds aus Helsinki über ein multiinstrumentales Feuerwerk aus Österreich hin zu Big Names aus den USA.

1. Konzert

Oddarrang

Olavi Louhivuori | Drums
Ilmari Pohjola | Trombone
Osmo Ikonen | Cello
Lasse Sakara | Guitar
Lasse Lindgren | Bass

Oddarrang
Oddarrang Bild © Official Press Photo

Im vergangenen Jahr konnten die Konzertbesucher den fantastischen finnischen Ausnahmedrummer Olavi Louhivuori in Frankfurt noch als Mitglied der Band „Rubicon“ erleben. Jetzt kommt der 37jährige vielfach preisgekrönte Schlagzeuger mit seinem eigenen Projekt „Oddarrang“ zum Deutschen Jazzfestival. Schon seit über 10 Jahren tourt dieses ungewöhnlich besetzte Quintett aus Helsinki durch Europa, gastiert bei den großen Jazzfestivals in London, Paris und Glasgow und fasziniert das Publikum allerorten mit seiner einmaligen und eigensinnigen Mischung aus Jazz, World Music, Filmmusikelementen und Postmodern Rock. „Agartha“ heißt das aktuelle, inzwischen vierte Album von „Oddarrang“: Ein Meisterwerk und die sicherlich wuchtigste und konsequenteste CD der Finnen bislang. Hier treffen feinnervige Miniaturen, nordische Klanglandschaften und hymnische Melodien auf dynamische Beats und Sounds: treibend, pulsierend, brodelnd und manchmal krachend-explosiv. Die fünf Bandmitglieder scheuen dabei keineswegs die Lautstärke, auch nicht das Pathos, und bedienen auf der Bühne neben ihren „normalen“ Instrumenten auch noch Synthesizer und Elektronik, außerdem singen alle!

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Der Bandname „Oddarrang“ ist übrigens ein Wortspiel und verbindet „odd“, was so viel wie merkwürdig oder seltsam heißt, mit „Arrangement“ – treffender lässt sich die einmalige Klangwelt der Finnen kaum bezeichnen. Und der Hörer hat keine Chance: Vom ersten Moment, vom ersten Ton an, wird er eingesaugt vom hypnotischen Malstrom aus makelloser Schönheit und Poesie, brachialer Energie und monumentalen Klanggemälden. Jeder der ausladenden Songs der Band scheint eine eigene Geschichte zu erzählen, entwickelt sich organisch und dynamisch, zusammengehalten und vorangetrieben vom selbstbewussten Spiel des Bandleaders Olavi Louhivuori.

Der vielbeschäftigte Schlagzeuger, der den jungen Tony Williams der 60er Jahre übrigens immer noch als eine seiner Hauptinspirationsquellen nennt, dürfte etlichen auch aus den Gruppen von Jazzlegende Tomasz Stanko bekannt sein. Er ist ein ruheloser, stilübergreifender Musiker und arbeitet mit Sinfonieorchestern und Bigbands ebenso wie mit kleinen Ensembles und als Solokünstler. „Mein Problem ist, dass ich gerne viele verschiedene Sachen mache. Aber immer muss ein schräger Aspekt vorhanden sein“, sagt Louhivuori mit einem Grinsen. „Ich würde nicht alles unbedingt Jazz nennen. Ich würde eher sagen, meine Musik ist ein experimentelles, instrumentelles Etwas…wenn ich es kategorisieren müsste.“ 

 2. Konzert

David Helbock’s Random/Control

David Helbock | Piano, Melodica, Percussion, Electronics
Johannes Bär | Trumpet, Sousaphone, Tuba, Alphorn, Didgeridoo, Percussion, Electronics
Andreas Broger | Soprano and Tenor Saxophone, Clarinet, Bassclarinet, Flute, Flugelhorn, Percussion

jazzfestival-helbock
David Helbock's Random/Control Bild © Bildquelle

Mehr als zwei Dutzend Instrumente stehen auf der Bühne, wenn das Trio “Random/Control” um den 34jährigen österreichischen Tausendsassa David Helbock eines seiner spektakulären Konzerte gibt. Wobei sich der aus Vorarlberg stammende Helbock dabei auf solche mit Tasten konzentriert, dabei allerdings auch regelmäßig innerhalb des Flügels agiert und hantiert. Fürs Gebläse und alle möglichen anderen Klangerzeuger sind dann die beiden am Salzburger Mozarteum ausgebildeten Johannes Bär und Andreas Broger zuständig. In irrwitziger Geschwindigkeit wechseln sie Instrumente und Positionen, erschaffen zusammen mit Bandleader David Helbock einen sich ständig neu definierenden und stetig pulsierenden Klangkörper. Gemäß dem Bandnamen halten die drei musikalischen Irrwische souverän die Balance zwischen Zufall und Kontrolle, zwischen Improvisation und Komposition.

David Helbock, der nach seinem klassischen Klavierstudium in dem New Yorker Pianisten Peter Madsen einen jazzbesessenen Mentor fand, veröffentlichte schon 2010 sein 600-seitiges „My Personal Realbook“, für das er ein Jahr lang jeden Tag ein Stück komponierte

Für die aktuelle CD „Tour d’Horizon“ seines Trios „Random/Control“ hat sich David Helbock jetzt ganz auf seine musikalischen Vorbilder am Klavier konzentriert und Stücke seiner absoluten Lieblingspianisten ausgewählt. Die Bandbreite reicht dabei von Duke Ellington über Herbie Hancock, Chick Corea und Keith Jarrett bis zu Esbjörn Svensson und Helbock’s österreichischem Landsmann Joe Zawinul. Aber David Helbock wäre nicht der „begnadete Geschichtenerzähler am Klavier“, der er ist, wenn er all diese Jazz-Standards nur einfach „covern“ würde: Eigenwillig und eigenständig drehen und wenden der Pianist und seine Mitstreiter die Songs.

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Mit Alphorn, Didgeridoo, Synthesizern, beatboxenden Stimmen und all dem anderen, was so auf der Bühne steht, bleiben die drei Wirbelwinde von „Random/Control“ ihrem seit langem konsequent entwickelten ungewöhnlichen Bandsound treu. Auf einer aufregenden  Achterbahn der Gefühle fahren die drei humorvollen Klanganarchisten durch die ganz persönliche Musikgeschichte des David Helbock. Der hat übrigens gute Erinnerungen an des Frankfurter Jazzfestival: Vor drei Jahren war er der Pianist im spektakulären Projekt von Michael Mantler und der hr-Bigband zusammen mit Peter Brötzmann.

3. Konzert

SFJAZZ Collective plays the music of Miles Davis

Miguel Zenón | Altosaxophone
David Sánchez | Tenorsaxophone
Etienne Charles | Trumpet
Robin Eubanks | Trombone
Warren Wolf | Vibraphone, Marimba
Edward Simon | Piano
Matt Brewer | Bass
Obed Calvaire | Drums

SFJAZZ Collective
SFJAZZ Collective Bild © Bildquelle

All-Star-Bands, das bedeutet allzu oft unzureichend geprobte Ensemblesätze und selbstdarstellerische Improvisationsmarathons. Das SFJAZZ Collective beweist seit seiner Gründung 2004, dass es auch anders geht. Ungeachtet von Besetzungswechseln ist das Oktett seinem künstlerischen Konzept und Anspruch stets gerecht geblieben. Jedes Jahr nimmt sich das Ensemble einen ikonischen Musiker aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor und ehrt ihn mit zeitgenössischen Arrangements seiner Kompositionen. Neben den üblichen Verdächtigen wie Coltrane, Coleman oder Corea sind darunter auch die Popmusiker Stevie Wonder und Michael Jackson. Doch das SFJAZZ Collective bleibt nicht bei der Repertoirepflege stehen. Jahr für Jahr werden außerdem neue Kompositionen kommissioniert, denn alle Bandmitglieder komponieren auch.

Respekt vor der Tradition und die Innovationskraft des Jazz kommen so gleichermaßen zur Geltung. Darauf lässt auch der Blick auf die Mitglieder des SFJAZZ Collective schließen. Mit den beiden aus Puerto Rico stammenden Saxofonisten Miguel Zenón und David Sánchez, Posaunist Robin Eubanks und Schlagzeuger Obed Calvaire vereint sie starke Künstlerpersönlichkeiten, die zu den Besten auf ihrem Instrument zählen. Vibraphonist Warren Wolf spielt mit Christian McBride oder der David Sanborn /Joey DeFrancesco Group. Der aus Venezuela stammende Pianist Edward Simon genießt gleichermaßen hohen Respekt in Jazz- wie in Kammermusikkreisen. Trompeter Etienne Charles teilt mit ihm und Miguel Zenón die karibisch-südamerikanische Herkunft und die Tatsache, dass alle Guggenheim-Stipendiaten sind.

Auf dem 2017 erschienenen Live-Album "SFJAZZ Collective plays the music of Miles Davis & original compositions" glänzt jedes Bandmitglied mit hochvirtuosen, inspirierten Beiträgen. Und das demokratisch organisierte Kollektiv begeistert mit der makellosen Ausführung von Arrangements, die allesamt den Vorlagen neue Farben abgewinnen, ganz egal ob sie wie "So What" aus Miles akustischer oder wie "Bitches Brew" aus dessen elektrischer Phase stammen. Als "eine Art Jazz Messengers der letzten Tage" wurde das SFJAZZ Collective schon bezeichnet. Für das Frankfurter Festival ist der erste von nur zwei Deutschlandauftritten der Supergroup eine wunderbare Ergänzung zum diesjährigen Trompetenschwerpunkt.

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