Konzert Shake Stew / Yazz Ahmed / Mark Guiliana Jazz Quartet

Programm
jazzfestival-tag4
Uhr (Einlass)
Frankfurt am Main
Hessischer Rundfunk
Betramstraße 8
60320 Frankfurt am Main

Eine Band, die auf's Ganze geht, eine Trompeterin, die ihre arabischen Wurzeln aus der Perspektive des urbanen London betrachtet, und ein Drummer, der mit David Bowie gearbeitet hat, prägen den Samstagabend im hr-Sendesaal.

1. Konzert

Shake Stew

Lukas Kranzelbinder | Bass, Guembri
Clemens Salesny | Altosaxophone
Johannes Schleiermacher | Tenorsaxophone
Mario Rom | Trumpet
Oliver Potratz|Bass
Niki Dolp | Drums, Percussion
Mathias Koch | Drums, Percussion

Shake Stew
Shake Stew Bild © Andreas Waldschütz

"Wenn es irgendwo eine Möglichkeit gibt, dann tendier ich immer dazu, sie extrem zu nutzen und das Maximum rauszuholen", sagt der österreichische Bassist Lukas Kranzelbinder. Mit 30 Jahren hat er schon mehr Projekte auf die Schiene gesetzt, als manch anderen in ihrer kompletten Karriere glücken. Er hat ein Label gegründet, eine Jazzoper geschrieben, eine zeitgenössische Bearbeitung des Jedermann abgeliefert, und mit seinem Polyarmory-Sound-Festival an einer Vernetzung der Jazzszenen von London, Berlin, Paris, Köln und Wien gearbeitet. 2016 gab ihm das Jazzfestival Saalfelden eine carte blanche für das Eröffnungskonzert - als jüngstem Musiker in der bald 40jährigen Geschichte der Veranstaltung. Kranzelbinder gründete das Septett Shake Stew und sorgte mit ihm für eine "magische Eröffnungsstunde", wie der Wiener Standard anschließend jubelte. Mittlerweile hat die Band bereits ihr zweites Album vorgelegt und die positiven Rezensionen überschlagen sich.

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Live im Radio

Das Konzert wird live in hr2-kultur übertragen.

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Shake Stew, das ist ein Septett mit zwei Bässen, zwei Schlagzeugern, Trompete und zwei Saxophonen - und alle spielen um ihr Leben. So jedenfalls mag es Lukas Kranzelbinder, Bandleader und Bassist in Personalunion. Ihm geht es immer auch um Spiritualität - und um Gefühle. Er macht sich Gedanken darüber, wie er eine Situation schaffen kann, die es dem Publikum erleichtert, sich emotional von der Musik mitnehmen zu lassen. Lukas Kranzelbinder ist damit sicher nicht der typische Vertreter seiner Zunft. Aber einer, der dafür auch mit einer hervorragenden Publikumsresonanz belohnt wird. Schon bei seinem allerersten Projekt, "Almrauschen", erwies er sich als so origineller wie tatkräftiger Ideengeber: Zusammen mit dem Trompeter Mario Rom und Schlagzeuger Herbert Pirker - alle nebst Instrument, erwanderte er mehrere Alpengipfel, um dort oben zu musizieren. Ihr Publikum war ebenfalls mitgewandert.

In seinem geschüttelten Eintopf, seinem Shake Stew, verkocht Kranzelbinder in geradezu verschwenderischer Freigiebigkeit unterschiedlichste Ingredienzen: etwa federhall-getränkte Surfsounds und mystische Gnawa-Grooves, hypnotische Minimal Music und hymnischen Alpen-Gospel, atmosphärische Klangflächen und explosive Kollektivimprovisationen, die an Charles Mingus' Workshopbands erinnern. Auch literarische Inspirationsquellen werden angezapft. So entsteht ein "intergalaktisches Road Movie für die Ohren" oder einfach "großes Klangkino", wie in der österreichischen Presse zu lesen war. Lukas Kranzelbinder ist ein Musiker, der mit seiner Kunst eine emotionale Kraft entwickelt, wie das nur wenige Jazzmusiker können oder wollen.

2. Konzert

Yazz Ahmed Band – La Saboteuse

Yazz Ahmed | Trumpet
Ralph Wyld | Vibraphone
Dave Mannington | Bass
Martin France | Drums

Yazz Ahmed
Yazz Ahmed Bild © Giulietta Verdon

In Bahrain, dem aus 30 Inseln bestehenden Staat im Persischen Golf, verbrachte Yazz Ahmed ihre Kindheit, mit neun Jahren kam sie nach Großbritannien, dort lebt sie auch heute. Die 35jährige Trompeterin, Flügelhornspielerin und Komponistin verarbeitet die kulturellen Einflüsse beider Welten in ihrer Musik. „Psychedelic Arabic Jazz“, so nennt ein algerischer Journalist diesen Stil – und Yazz Ahmed freut sich über diese treffende Einordnung. „Ich liebe den Klang arabischer Musik“, sagt sie. „Die Melodien, der Gesang stehen für einen zutiefst humanistischen Ansatz und unterstreichen die Leidenschaft dieser Musik“. Auf bislang zwei CDs hat Yazz Ahmed ihre gelungene Mischung aus britisch geprägtem Jazz mit ihren arabischen Wurzeln präsentiert, dabei u.a. ein speziell entwickeltes vierteltöniges Flügelhorn eingesetzt, das es ihr erlaubt, den ganz besonderen Skalen der arabischen Musik sehr nahe zu kommen. Überragende Kritiken und inzwischen weltweite Konzerteinladungen sind die Folge, die CD „La Saboteuse“ gilt vielen sogar als „Album des Jahres 2017“.

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Wie viele MusikerInnen ihrer Generation begreift Yazz Ahmed Jazz als durchaus aktuelle Musik, vergleicht diesen mit einem uralten Baum und dessen Wurzeln, der dann doch, ganz natürlich, immer wieder frische Triebe in alle möglichen neuen und überraschenden Richtungen austreibe. Selbstverständlich ist für Yazz Ahmed in diesem Zusammenhang ein Denken über stilistische Genregrenzen hinweg und ganz selbstverständlich arbeitet sie deshalb auch mit Gruppen wie „Radiohead“ und „These New Puritans“ aus den Bereichen Indie-Rock und Elektronik zusammen. Auch diese Einflüsse finden sich wieder in den Kompositionen und Sounds von Yazz Ahmed und ihrer eigenen Band.

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Schlagzeuger Martin France sorgt hier für den nötigen groove, tat dies auch bei Django Bates und den inzwischen schon legendären „Loose Tubes“. Auch Bassist Dave Mannington tummelt sich höchst erfolgreich in der aktuellen Londoner Szene, spielt u.a. mit Gwilym Simcock. Und mit dem Kenny-Wheeler-Preisträger Ralph Wyld holte sich Yazz Ahmed einen unglaublich vielseitigen jungen Vibrafonisten in die Band, einen Musiker voller rhythmischer Akkuratesse und Ausdrucksstärke. 

Ganz wichtig sind der Yazz Ahmed übrigens ihr gleichberechtigter Status und ihre Rolle als Frau in einer immer noch überwiegend männlich dominierten Jazzszene. Vergeblich habe sie zu Beginn ihrer Karriere nach Musikerinnen Ausschau gehalten, an denen sie sich hätte orientieren können, erzählt sie. Immer noch würden weibliche Bandmitglieder am Set begrüßt mit den Worten: „Ah, Sie sind also die Sängerin heute Abend!“ Und nach wie vor würden viele Männer ungern Frauen in ihre Bands buchen, würden die direkte Konkurrenz offensichtlich scheuen. Doch Yazz Ahmed zeigt sich inzwischen optimistischer, beobachtet vielversprechende Veränderungen, bei MusikerInnen ebenso wie beim Jazzpublikum. Hoffen wir das Beste!

3. Konzert

Mark Guiliana Jazz Quartet

Mark Guiliana | Drums
Jason Rigby | Tenor Saxophone
Fabian Almazan | Piano
Chris Morrissey | Bass

Mark Guiliana Jazz Quartet
Mark Guiliana Jazz Quartet Bild © Shervin Lainez

“Possibly the best drummer in the world”, begeistert sich das Londoner Time Out Magazine, meint den Schlagzeuger und Komponisten Mark Guiliana und schreibt weiter: „Stell dir vor, man addiert die Meister des Hard Bop wie Elvin Jones und Art Blakey mit einer Roland Drum-Maschine, dividiert das Ergebnis dann durch den Hip Hop eines J Dilla, um das wiederum mit dem Drum’n’Bass-Wirbelsturm von „Squarepusher“ zu multiplizieren“. Auf alle Fälle war auch David Bowie vom innovativen und kompromisslosen Ansatz des 38jährigen New Yorkers derart begeistert, dass er Mark Guiliana kurzerhand als Schlagzeuger für sein letztes Album „Blackstar“ engagierte. Im Interview betont Guiliana immer wieder den großen Einfluss der Energie von Rock-Schlagzeugern auf seine Entwicklung, ebenso habe ihn auch die konzeptionelle Strenge von elektronischer Musik schon früh begeistert. 

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Guiliana arbeitete lange mit dem israelischen Bassisten Avishai Cohen, nahm mit diesem insgesamt sechs Alben auf. Mit Pianist Brad Mehldau gründete er das experimentelle Duo „Mehliana“, er spielte mit Saxofonist Donny McCaslin, Sängerin Gretchen Parlato, Gitarrist Lionel Loueke und Bassistin Meshell Ndegeocello.                        

Zum Deutschen Jazzfestival Frankfurt kommt Mark Guiliana mit seinem eigenen Quartett und der aktuellen CD „Jersey“.

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Saxofonist Jason Rigby erinnert mit einem kräftigen Ton und seinem  improvisatorischen Ansatz an Giganten wie John Coltrane, Joe Henderson oder Dewey Redman; am Bass drückt Chris Morrissey gehörig aufs Gas und überzeugt auch mit seinem exquisiten Bogenspiel. Der aus Kuba stammende Pianist Fabian Almazan wiederum, der u.a. auch bei Terence Blanchard die Tasten drückt, schöpft in seinem rhythmisch komplexen Spiel aus einem reichhaltigen Fundus von Klassik, Latin und Post Bop.      

Gemeinsam fasziniert die Band durch ihr traumwandlerisch sicheres, dynamisches Zusammenspiel und entwickelt auf der Basis des klassischen Jazz eine Musik, die eine weit darüber hinaus reichende magische Wirkung erzielt. Lyrische und sangliche Melodien und Kompositionen wechseln ab mit explosiven und energiegeladenen Improvisationen. Besonders der Bandleader selbst verblüfft mit teuflisch vertrackten solistischen Passagen, bei denen besonders die Schlagzeug-Freaks ganz heiße Ohren bekommen. Oder wie ein begeisterter Fan im Internet schreibt: „Wenn ich groß bin, möchte ich Mark Guiliana sein!“

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