In Ungarn durfte Béla Bartóks Pantomime "Der wunderbare Mandarin" zunächst gar nicht gezeigt werden, aber auch nach der Kölner Uraufführung 1926 ließ der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer alle weiteren Aufführungen vom Spielplan nehmen. Prostitution, Totschlag, Räuberei, Straßenlärm auf einer Ballettbühne: Ein solch neues Sujet und eine so bildhafte, expressionistisch übersteigerte musikalische Umsetzung verstießen demnach allerorten allzu sehr gegen Sitte und Moral.

Lise de la Salle, Klavier
Vocalconsort Berlin
Leitung: Andrés Orozco-Estrada

Brahms: 1. Klavierkonzert d-Moll op. 15
Bartók: Der wunderbare Mandarin
Brahms: Schicksalslied op. 54

(Aufnahmen vom 7. und 8. Februar aus dem Großen Saal)

Der "Mandarin" war ein Skandal - ein Auf- und Anreger ist er bis heute. Bartók selbst nannte die Pantomimen-Handlung dagegen "wunderschön", der Klangsprache dazu gab er aber eine enorme Fallhöhe mit. "Hier reißt die Musik vom ersten Ton an in die Tiefen der Hölle hinab", beschreibt es der Bartók-Forscher György Kroó. "Es ist kein Lärm nur für die Ohren, sondern eine Musik, die mit ihrer alarmierenden Grausamkeit das Innere aufwühlt." Brahms dagegen widmet sich der Gegenwelt. In seiner Vertonung von Hölderlins "Schicksalslied" kommt man der Sphäre der Götter ganz nah. "Ihr wandelt droben im Licht, auf weichem Boden, selige Genien", heißt es da. "Schicksalslos, wie der schlafende Säugling, atmen die Himmlischen."

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