Ob jeder Komposition die jeweilige politische Situation innewohnt, in der sie entsteht, ist kaum zu beweisen. Solches aber anzunehmen, öffnet ungeahnte Perspektiven. Auch Musik fällt nicht einfach so vom Himmel.

Wolfgang Hufschmidt: "Meissner Tedeum" - nach dem "Tedeum Laudamus", deutsch von Martin Luther (1526) und einem antiphonischen Text von Günter Grass (1966) für Sopran, Chor und Orchester mit Orgel, Bariton, Vokalensemble, Bläserquintett, Klavier, Schlagzeug und Tonband - komponiert aus Anlass des 1000-jährigen Bestehens des Meißner Doms (1967/68)

Barbara Hoene, Sopran
Hartmut Haenchen, Bariton
Meißner Kantorei Gewandhausorchester Leipzig
Leitung: Erich Schmidt

Aufnahme der Uraufführung am 26. Mai 1968 (privat durch Wolfgang Wahrich)

Wolfgang Hufschmidt: Kontrafaktur I (nach der "Missa cuiusvis toni" von Ockghem) für Orchester (1972)
hr-Sinfonieorchester
Leitung: Othmar Mága

Aufnahme: April 1973 hr-Sendesaal, Frankfurt am Main

Wolfgang Hufschmidt: "Engel der Geschichte (II) _ Flötentöne Nr. XVI" (1994) für Flöte, Klarinette, Violoncello, Gitarre, Schlagzeug und Klavier/Celesta

Markus Hufschmidt, Flöte
Jens Vetter, Klarinette
Rachel Gruber, Violoncello
Harald Lillemeyer, Gitarre
Martin Schulz, Schlagzeug
Susanne Achilles, Klavier/Celesta

Aufnahme: Oktober 1995, Spiegelsaal Museum Morsbroich

Die Komposition dokumentiert und protokolliert ihre Zeit, selbst wenn sie Jahre oder gar Jahrhunderte später durchaus noch Gehöriges mitzuteilen hat. Als der Essener Komponist Wolfgang Hufschmidt 1967/68 das MEISSNER TEDEUM schreibt, ein Auftragswerk der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft aus Anlass des 1000-jährigen Bestehens des Domes zu Meißen (Sachsen), geht es ihm und dem Schriftsteller Günter Grass um einen deutsch-deutschen Dialog. Wiederholt ist die Uraufführung im Mai 1968 gefährdet. Text- wie das grenzüberschreitende Produktions- und Realisationskonzept der Komposition - hier BRD, dort DDR - sorgen für erhebliche Schwierigkeiten. Günter Grass‘ Kommentare zum Tedeum missfallen der kirchlichen Obrigkeit in der DDR, man spricht gar vom "Teufel im Dom". Und die sich plötzlich einschaltende politische Staats- und Partei-Administration, an der die Diskussion selbstverständlich nicht vorbeigeht, betrachtet das Werk schließlich nicht mehr als eine nur "innerkirchliche" Angelegenheit. Der im MEISSNER TEDEUM verhandelte Diskurs von Glauben und Glaubenskritik avanciert zum Politikum.

Sendung: hr2-kultur, Konzertsaal, 14.02.2019, 20:04 Uhr

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