Unter dem Eindruck verschiedener akustischer Alltagserfahrungen beginnen Komponisten im 20. Jahrhundert, Schnipsel fremder Musik in ihre eigenen Kompositionen zu integrieren. Diese Collage-Werke spiegeln eine plurale Welt, die sich die Künstler kommentierend, kritisierend und nachschaffend aneignen.

Musikalische Collagen von Charles Ives, Bernd Alois Zimmermann, Gerhard Stäbler, Luigi Nono und Alfred Schnittke - mit dem hr-Sinfonieorchester, dem Ensemble Philharmonic Brass, dem GrauSchumacher Piano Duo und dem Arditti String Quartet

Schere und Kleber sind in der Musik des 20. Jahrhunderts wichtige Instrumente. Komponisten bergen musikalische Bruchstücke aus den verschiedensten historischen oder kulturellen Kontexten und nutzen sie für die eigene Musik. Ein Prominenter dieses Collageverfahrens war Bernd Alois Zimmermann, der unter anderem in seinen "Dialogen" (1964) für zwei Klaviere und Orchester eine pluralistisch-utopische Klangästhetik realisierte, die die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufhebt und keine Unterschiede zwischen "hohen" und "niederen" Stilen kennt. Das Eigene durchleuchtet, reflektiert und kommentiert das Andere - so auch bei Gerhard Stäbler, dessen 1990 entstandenes Blechbläserqintett "… im Spalier …" wie er sagt, "musikalische Überlegungen zu Fantasien von John Bull und Don Carlo Gesualdo" anstellt. In Luigi Nonos hochemotionalem, politisch engagierten Werk "Como una ola de fuerza y luz" (1971-72) prallt die Gegenwart außermusikalischer Realitäten mittels Tonbandfetzen auf eine kommentierende Schicht von Gesang und Orchesterklängen. Schelmisch klingt dagegen Alfred Schnittkes 1977 entstandenes Ensemblewerk mit dem sprechenden Titel "Moz-Art à la Haydn", in das der Komponist unter anderem einige Fetzen einer unvollständig erhaltenen "Faschingspantomime" Mozarts verstrickte.

Sendung: hr2-kultur, Konzertsaal, 18.07.2019, 20:04 Uhr

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