Beifall ist kein Naturphänomen. Der Applaus ist vom Publikum gewollt, auch von den Künstlern, sei gar - als ob kein Geld vonnöten sei und aufs eigene Konto flösse - ihr "schönster Lohn". Zuweilen wird Zuspruch oder Ablehnung im Publikum manipuliert, sitzen im Publikum arglistige Claqueure – selbst in der Neuen Musik.

Ein zuverlässiger Gradmesser für die Qualität eines Werk und seiner Interpretation war er noch nie: der Beifall - vor, während und nach einem Konzert. Wer die "École des Claqueurs" des in den USA geborenen, in Berlin lebenden Komponisten und Ensembleleiters Bill Dietz (*1983) besucht hat, weiß, dass Beifall ebenso inszeniert sein kann wie die Performance, die ihm vorangeht. Die Geschichte der Claqueure ist ebenso alt wie der Applaus selbst. Ob sich die bestellten und zuweilen bezahlten Beifallsklatscher aus Armut oder Fanatismus verdingen, spielt für die Folgen ihres Einsatzes kaum eine Rolle. Mit lautstarkem Applaus und organisiertem Protest wird Musikgeschichte geschrieben.

Sendung: hr2-kultur, Neue Musik, 22.03.2018, 21:30 Uhr

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