Frank Peter Zimmermann

Boris Blacher hat seine Paganini-Variationen 1947 für großes Orchester geschrieben. Er selbst sah sie nicht als klassische Variationen, sondern "als 16 Arten, das Thema zu betrachten". Das Thema stammt aus Paganinis "Caprice Nr. 24 für Solovioline". Bei Blacher wird es zunächst auch von einer Solovioline vorgetragen und dann so variiert, dass die Veränderungen deutlich nachzuvollziehen sind. Diese Durchsichtigkeit der Komposition ist sicher einer der Gründe, weshalb das Werk zu den meistgespielten der neueren Musik gehört.

Paul Hindemiths Kammermusik Nr. 4 ist Teil einer Reihe, die zwischen 1921 und 1927, in seiner bilderstürmerischen Zeit entstanden ist. Es ist ein Stück wie ein Violinkonzert, in dem ein greller, scharf akzentuierter Tuttiklang dominiert. Die sogenannten Kammermusiken Hindemiths haben nichts mit Kammermusik im herkömmlichen Sinn zu tun. Im Gegenteil, der experimentierfreudige Hindemith wollte das Publikum, das innige und erbauliche Streichquartette erwartete, schockieren und provozieren. Auch die vierte Kammermusik zeigt, warum das traditionelle Publikum der 20er Jahre den Komponisten für einen Revolutionär halten musste. Nichts verhält sich so, wie man es üblicherweise in einem Kammermusikwerk oder in einem klassisch-romantischen Konzert erwarten würde. Der Solist scheint vor allem dazu da zu sein, immer wieder für Überraschungen zu sorgen.

Der zweite Teil der hr-Sinfoniekonzerte am 1. und 2. März begann mit Musik eines Komponisten, der in seinen ersten Schaffensjahren fast ausschließlich Klavierwerke geschrieben hat und für den zunächst eine Karriere als Pianist vorgezeichnet schien: Musik von Robert Schumann. Es ist ein eher wenig bekanntes Stück für Violine und Orchester. Die Violine trat relativ spät in den Fokus seines Interesses. Erst in den letzten Lebensjahren entstanden die Violinsonaten, und auch an einem Violinkonzert arbeitete Schumann in dieser Zeit. Es wurde viele Jahre nach seinem Tod uraufgeführt. Noch zu Lebzeiten uraufgeführt wurde dagegen seine Fantasie für Violine und Orchester. Schumann hat sie dem Geiger Joseph Joachim gewidmet, der das Werk in Düsseldorf spielte. Robert Schumann war dort seit dem Herbst 1850 Städtischer Musikdirektor und stand als Dirigent am Pult. Es war das letzte Konzert, das er in Düsseldorf dirigierte.

Die dritte Sinfonie von Johannes Brahms gilt als die konzentrierteste und vielleicht typischste seiner Sinfonien. Antonín Dvorák sagte zu dem Werk: "Ich sage und übertreibe nicht, dass dieses Werk seine beiden ersten überragt; wenn auch nicht an Größe und mächtiger Konzeption – so aber gewiss an Schönheit! Es ist eine Stimmung darin, wie man sie bei Brahms nicht oft findet! Welch herrliche Melodien sind da zu finden! Es ist lauter Liebe, und das Herz geht einem dabei auf. Denken Sie an meine Worte, und wenn Sie die Sinfonie hören, werden Sie sagen, dass ich gut gehört habe." Soweit Antonín Dvorák. Vollendet hat Brahms seine dritte Sinfonie übrigens 1883 während eines längeren Sommeraufenthaltes in Wiesbaden. Dass er in dieser Zeit an einer Sinfonie arbeitete, hat er nicht einmal seinen Freunden verraten. Ungestört von wohlmeinenden Ratschlägen vollendete er seine Dritte, deren Charakter die heitere Stimmung widerspiegelt, in der sich Brahms in dieser Zeit befand. Umgeben von guten Freunden, wie etwa der Familie Beckerath aus dem nahegelegenen Rüdesheim, in deren Weingut es auch immer einen guten Tropfen für den Komponisten gab, schien sich Brahms wohl zu fühlen. Noch im selben Jahr, im Dezember 1883, wurde das Werk in Wien mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Hans Richter uraufgeführt.

Mit dem Solisten der hr-Sinfoniekonzerte, Frank Peter Zimmermann, hat Christiane Hillebrand gesprochen.

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