Manfred Honeck

"Britannia", sagt James MacMillan, "ist eine zehnminütige Orchesterfantasie, die auf ‚patriotischen Themen‘ basiert." Das Stück entstammt einer kurzen Skizze, die auf einer Marschmusik von John Reid basiert, einem britischen Offizier des 18. Jahrhunderts, der die Musikabteilung der Universität von Edinburgh gründete. Dieses Thema sowie "imperiale" Themen von Elgar und Arne werden mit anderen Materialien gemischt – einem irischen Tanz, einem Cockney-Trinklied, anderen Marschmelodien und einer verschwommene keltische Weise. "Es gibt kein Programm oder eine Geschichte als solche", sagt James MacMillan, "aber das Gewebe populärer Melodien und Anspielungen kann in der Vorstellung des Hörers einige überraschende Szenarien hervorrufen, besonders in einer Zeit, da in ganz Europa wieder kleinkarierter Chauvinismus aufzukommen droht." Dafür nutzt MacMillan Zitate aus der Nationalhymne God Save the Queen, aus Edward Elgars Cockaigne-Ouvertüre oder schottischen Volkstänzen, Autohupen, Trillerpfeifen und Peitschen, Dynamik- und Tempowechsel, eine bunte Mischung aus Wohlbekanntem und Neuartigem.

William Walton kam 1902 zur Welt. Mit 10 Jahren gewann er ein Stipendium als Chorsänger an der Christ Church Cathedral in Oxford. In der Zeit dort begann er auch zu komponieren und wurde 1918, mit 16 Jahren, Student an der Universität. Sein Aufenthalt in Oxford brachte ihn mit der Familie Sitwell zusammen; und zu Edith Sitwells Gedichten schrieb er sein erstes erfolgreicheres Stück, Facade, das 1922 uraufgeführt wurde.

Walton war Ende Zwanzig, als er sein Bratschenkonzert komponierte. Die Bratsche erfreute sich damals einer Renaissance als Soloinstrument, zum großen Teil durch das Eintreten des englischen Bratschers Lionel Tertis; Walton schrieb auf Anregung von Sir Thomas Beecham dieses Konzert für Tertis. Bei der Uraufführung im Oktober 1929 spielte allerdings Paul Hindemith unter der Leitung des Komponisten den Solopart bei einem der Londoner Promenade Concerts.

Was Edward Elgar mit seinem Cellokonzert gelang, glückte seinem Landsmann William Walton mit dem Bratschenkonzert: Im 20. Jahrhundert ein Solokonzert zu schreiben, das zum absoluten Maßstab für das jeweilige Instrument wurde. Waltons Bratschenkonzert ist effektvoll und poetisch, und dabei so schön neblig-verhangen, wie nur Engländer es komponieren können.

Ob Peter Tschaikowsky seiner fünften Sinfonie ein Programm zugrunde gelegt hat, wissen wir nicht genau. In seinen Tagebucheintragungen finden sich dazu nur Andeutungen. Doch aus ihnen geht zumindest hervor, dass die Sinfonie wenigstens ein Thema hat: die Ergebung des Menschen in sein Schicksal. Und die läuft bei Tschaikowsky nicht ohne Konflikte und Kämpfe ab. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges hat der 48-jährige Komponist das Gefühl sich "ausgeschrieben" zu haben. Er schwankt zwischen Höhenflügen und tiefer Verzweiflung. Trotz des Erfolges seiner Sinfonie äußerst Tschaikowsky selbst Zweifel an der Komposition: "Nach jeder Aufführung empfinde ich immer stärker, dass dieses Werk mir misslungen ist. Die Symphonie erscheint mir zu bunt, zu massiv, zu künstlich, zu lang, überhaupt unsympathisch." Das Publikum jedoch urteilte anders über das Werk: Es liebte die fünfte Sinfonie – vielleicht nicht von Anfang an, dann aber umso mehr. Und es begeistert sich bis heute dafür. Die vier Sätze der Sinfonie werden von einem Motiv durchzogen: dem Schicksalsmotiv. Gleich zu Beginn des ersten Satzes stellt Tschaikowsky das Thema vor. Es wird von den Klarinetten intoniert und in den Klang der tiefen Streicher eingebettet.

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