Paavo Järvi

Am 26. und 27. April ist Paavo Järvi wieder zu Gast bei unserem Orchester. Mitbringen wird er die Sinfonische Dichtung "Nächtlicher Ritt und Sonnenaufgang" von Jean Sibelius, „Kol Nidrei“ von Max Bruch, die Rokoko-Variationen von Peter Tschaikowsky und die vierte Sinfonie von Franz Schmidt. Solist wird Mischa Maisky sein.

Die sinfonischen Dichtung "Nächtlicher Ritt und Sonnenaufgang" komponierte Jean Sibelius im Jahr 1907. Inspiriert wurde er dazu durch eine Fahrt mit dem Pferdeschlitten rund um die Stadt Helsinki. Kurz vor dem Erreichen der Stadt erlebte der Komponist einen überwältigenden Sonnenaufgang, den er als ein "Meer von wechselnden und ineinanderfließenden Farben" beschreibt, "endend in einem heller werdenen, auftsteigenden Licht."

Max Bruch ist hauptsächlich für sein erstes Violinkonzert bekannt, dem genialen Wurf seiner ersten Schaffensperiode, an dessen Erfolg er später mit zwei weiteren Violinkonzerten vergeblich anzuknüpfen versuchte. Großen Erfolg hatte aber auch das Kol Nidrei, eine Frucht seiner Berliner Jahre von 1878 bis 1880. Dort hatte er, wie er 1882 schrieb, als Dirigent des Stern’schen Gesangvereines, “viel mit den Kindern Israels zu tun”, wodurch er auch mit jüdischen Gebräuchen und Melodien bekannt wurde. “Kol Nidrei” sind die beiden ersten Worte eines wichtigen jüdischen Liturgietextes, der bei einer Andacht am Vorabend des Jom Kippur-Festes rezitiert wird. Bruch verwendete für seine musikalische Paraphrase über diesen Text zwei alte hebräische Melodien, die er in Berlin kennengelernt hatte.

Tschaikowskys Rokoko-Variationen sind das Konzertstück für Violoncello aus der Feder des Komponisten. Unbequem, haben viele seiner Zeitgenossen geklagt und den Wunsch nach einem echten Cello-Konzert geäußert. Aber Tschaikowsky blieb bei seinen Variationen. Mit den Rokoko-Variationen hatte der Komponist weniger Perücken, Puder und höfisches Allerlei im Kopf, sondern er drückte vor allem seine Bewunderung für Wolfgang Amadeus Mozart aus. Den verstand Tschaikowsky als Rokoko-Komponisten, und er schätzte neben den edlen Melodien und der eleganten Harmonik in Mozarts Musik vor allem auch dessen Sinn für Dramatik.

Die vierte Sinfonie von Franz Schmidt beginnt mit einem expansiven Trompetenthema – dieses Thema taucht in der Musik immer wieder auf. Schmidt beschrieb es als "die letzte Musik, die man ins Jenseits hinübernimmt". Was folgt, ist jedoch keine Vision des Jenseits, sondern eine reiche Beschäftigung mit dem Leben. Der zweite Satz, ein bewegendes Adagio, wird von Schmidts eigenem Instrument, dem Cello, eingeführt. Dieser Satz hat laut Schmidt die Funktion eines "Requiems" für seine Tochter, und in seinem letzten Abschnitt ist ein Trauermarsch zu hören. Im dritten Satz, dem Scherzo, wird die Musik lebhaft. Es mischt sich aber immer mehr Schmerz hinein. Und im vierten Satz klingt der erste wieder an, nur erscheint jetzt alles gereifter und verklärter. Das Thema vom Anfang, das sich durch die ganze Sinfonie zieht, spielt auch in diesem Finale eine große Rolle. Schmidt beschreibt es als "ein Sterben in Schönheit, wobei das ganze Leben noch einmal vorüberzieht". Das Werk endet, wie es begonnen hat: mit einem frei im Raum schwebenden Trompetensolo.

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