Antoine Tamestit

Das "Viola Concerto" von Jörg Widmann ist ein ausgeklügeltes Spiel mit der Gattung Solokonzert. Und es ist ein ungewöhnliches Konzertereignis, das manche Skurrilitäten bietet. Zu Beginn gibt nicht etwa der Dirigent den Einsatz, sondern der Solist klopft, im Orchester sitzend, auf der Bratsche herum. Seinen Bogen muss er später irgendwo im Orchester finden. Immer wieder nimmt der Solist die Rolle eines Schauspielers ein, der in einer Mischung aus Stolz und Selbstironie detaillierte Regieanweisungen ausführt. Aber nicht nur er: An einer Stelle in der Partitur heißt es etwa: "Der Dirigent reagiert leicht irritiert". Erst am Schluss steht der Solist an der Stelle, wo man ihn in einem Solo-Konzert erwarten würde – neben dem Dirigenten.

"The Unanswered Question" schrieb Charles Ives 1906 für die ungewöhnliche Besetzung Trompete, vier Flöten und Streichquartett. Später folgte auch die Orchesterfassung. In seinem vermutlich bekanntesten Werk stellt Ives musikalisch die "immerwährende Frage der Existenz". Wie diese Frage genau lautet, darüber schweigt sich der Komponist allerdings aus. Die Streicher spielen während des ganzen Stücks eine sehr langsame, choralähnliche Folge reiner Akkorde. Die Trompete durchbricht diesen Streicherteppich mit einer kurzen Melodiephrase, die wie eine Frage im Raum schwebt. Die Flöten antworten. Siebenmal gibt die Trompete zunächst ein kurzes Motiv vor, sechsmal suchen die Flöten eine Antwort – immer anders und immer schroffer. Am Ende jedoch bleibt die Frage unbeantwortet.

Direkt im Anschluss – in der "Musikersprache": attacca – wurde in den hr-Sinfoniekonzerten die vierte Sinfonie von Gustav Mahler gespielt. Sie entstand im Jahr 1900. Im Gegensatz zu den drei vorangegangenen Sinfonien bewegt sich die Vierte in idyllisch-heiteren Sphären. Wie mit dem Blick eines Kindes entwirft Mahler hier eine reizend naive musikalische Bilderwelt. Mahlers Vierte wurde sehr schnell populär. Vielleicht spielte das für Mahler eher kleine Orchester auch eine Rolle, aber wesentlich war sicherlich die sanfte und bewegende Musiksprache, die das Publikum faszinierte – wenn auch noch nicht gleich bei der Uraufführung. Ursprung und Keimzelle der vierten Sinfonie ist das Lied-Finale "Wir genießen die himmlischen Freuden", das Mahler bereits 1892 komponiert und ursprünglich als abschließenden siebten Satz seiner dritten Sinfonie verwenden wollte. Es geht auf einen Text der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" von Clemens Brentano und Achim von Arnim zurück und beschreibt in heiterem Ton die kindlichen Freuden himmlischer Seligkeit.

Christiane Hillebrand hat Artist-in-Residence Antoine Tamestit, für den Widmann sein "Viola Concerto" schrieb, und Mojca Erdmann, die das Sopransolo in der vierten Sinfonie von Gustav Mahler sang, getroffen.

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit