Wir blicken zurück auf die Auftakt-Konzerte mit Clara Andrada de la Calle und schauen voraus auf die hr-Sinfoniekonzerte mit Aziz Shokhakimov.

Flötissimo – Auftakt mit Clara Andrada de la Calle

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Das Konzert im Radio

hr2-kultur sendet die Aufzeichnung der Konzerte am 13. Februar um 20:04 Uhr.

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Clara Andrada de la Calle

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In den Auftakt-Konzerten am 1. und 2. Februar stand der Spanier Jaime Martin zum ersten Mal am Pult des hr-Sinfonieorchesters. Er dirigierte ein französisch-skandinavisches Programm, darunter zwei Flötenkonzerte.

Jaime Martin war vor seiner Karriere als Dirigent einer der weltweit gefragtesten Flötisten, und er unterrichtete als Flötist am Royal College of Music in London. Eine seiner herausragenden Studentinnen dort war Clara Andrada de la Calle. Sie ist inzwischen seit mehr als zehn Jahren Solo-Flötistin unserem Orchester – und sie war die Solistin in den Auftakt-Konzerten. Clara Andrada de la Calle spielte die Flötenkonzerte von Jacques Iberts und Carl Nielsen. Beide Konzerte sind fast zeitgleich zu Beginn des 20. Jahrhundert entstanden und doch grundverschieden. Außerdem stand noch die dritte Sinfonie von Jean Sibelius auf dem Programm, das mit der Suite für Orchester "Le Tombeau de Couperin" von Maurice Ravel begann.

Christiane Hillebrand hat mit Clara Andrada de la Calle und Jaime Martin gesprochen.

Die hr-Sinfoniekonzerte mit Aziz Shokhakimov

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Das Konzert im Radio

hr2-kultur überträgt das Konzert am 16. Februar live ab 20:04 Uhr.

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Aziz Shokhakimov wird am 15. und 16. Februar bei unserem Orchester gastieren. Er leitet dann die hr-Sinfoniekonzerte in der Alten Oper Frankfurt.

Auf dem Programm stehen der "Choresmische Festumzug" von Suleiman Yudakov, das erste Klavierkonzert von Dmitrij Schostakowitsch – mit Behzod Abduraimov und Jürgen Ellensohn als Solisten – und die fünfte Sinfonie von Sergej Prokofjew.

Suleiman Yudakov war ein sowjetischer Komponist. Er wurde 1916 in Usbekistan geboren und ist 1990 dort gestorben. Er gehörte zur kleinen Gruppe der bucharischen Juden, die sich seit dem Spätmittelalter in Zentralasien niedergelassen hatten. Als Kind verbrachte Yudakov drei Jahre in einem Waisenhaus seiner Geburtsstadt, wo er auch seinen ersten Musiktheorie- und Instrumentalunterricht erhielt. Ab 1932 besuchte er die "RabFak" – die "Arbeiterfakultät" des Moskauer Konservatoriums zur Vorbereitung von talentierten Arbeiter- und Bauernkindern auf ein Hochschulstudium – mit dem Hauptfach Flöte. 1939 wurde er in die Kompositionsklasse von Reinhold Glière aufgenommen, allerdings musste er seine Ausbildung zwei Jahre später wegen der Wirren des Zweiten Weltkriegs abbrechen und in seine usbekische Heimat zurückkehren. Er ließ sich in der Hauptstadt Taschkent nieder, wo er den Rest seines Lebens als freischaffender Komponist verbringen sollte. Für seine Musik hat Yudakov einige sowjetische Preise bekommen. Seine Werke sind von der Musik der unterschiedlichen zentralasiatischen Völker inspiriert. Er schrieb u.a. Opern, Ballettmusiken, chorsinfonische Werke, Orchesterstücke, Lieder, Klaviermusik sowie Kompositionen für Film, Rundfunk und Bühne. 1944 schrieb er die Melodie für die Nationalhymne der Tadschikischen Sowjetrepublik; sie wird bis heute als die Hymne Tadschikistans verwendet – seit dem Zerfall der Sowjetunion freilich mit einem neuem Text. Choresmien ist eine zentralasiatische Landschaft südlich des Aralsees. Es hat eine wechselvolle Geschichte, war einmal islamisch, wurde türkisiert und später als eigenständige Ethnie schließlich völlig absorbiert. Heute gehört die Landschaft zu Usbekistan und Turkmenistan. Wie sein Choresmischer Festumzug klingt, können Sie im hr-Sinfoniekonzert hören.

Dmitrij Schostakowitsch feierte in seinen jungen Jahren als Pianist ebenso Erfolge wie als Komponist. Sein erstes Klavierkonzert verfasste er für den eigenen Gebrauch und trug es auch mehrfach öffentlich vor. Zu dem Werk, das zwischen März und Juli 1933 entstand, bemerkte er: "Es war mein erster Versuch, eine bedeutsame Lücke in der sowjetischen Instrumentalmusik zu schließen, der es an abendfüllenden konzertanten Werken mangelt." Tatsächlich handelt es sich um das erste Klavierkonzert von Rang, das in der Sowjetunion entstand. Bei diesem Stück fällt vor allem die ebenso sparsame wie ungewöhnliche Besetzung ins Auge bzw. Ohr: Das Klavier wird lediglich von einem Streichorchester begleitet; zum Solisten gesellt sich eine einzige Trompete in B, die sowohl als Partner als auch als Störfaktor fungiert. Mit dem ihm eigenen Talent zur Parodie schuf Schostakowitsch hier eine grandiose Persiflage auf das große romantische Virtuosenkonzert.

Solisten werden in den hr-Sinfoniekonzerten Behzod Abduraimov und unser Solotrompeter Jürgen Ellensohn sein. Der 26-jährige usbekische Pianist wird von der Presse für seine stupende Technik, seine sprühende Jugendlichkeit und seinen frischen Zugriff gefeiert. Ähnliche Qualitäten bzw. Eigenschaften werden dem nur zwei Jahre älteren Aziz Shokhakimov attestiert, der die Konzerte dirigieren wird. Er hat schon bei unserem Orchester gastiert.

Im Sommer des Jahres 1944 hielt sich Sergeij Prokofjew im Haus des sowjetischen Komponistenverbandes in Iwanowo bei Moskau auf. Dort hatten sich während des Krieges eine Reihe namhafter Komponisten wie Aram Chatschaturjan, Nikolai Mjaskowsky und Dmitrij Schostakowitsch getroffen, um in Ruhe ihrer schöpferischen Tätigkeit nachzugehen. In Iwanowo entstand auch Prokofjews Fünfte. Nach mehr als 15 Jahren wandet sich Prokofjew mit ihr wieder der sinfonischen Gattung zu. Stilistisch hebt sich die Fünfte von den vorausgegangen Sinfonien deutlich ab, wobei allerdings strittig ist, in wieweit dies damals durch die doktrinäre sowjetische Kulturpolitik verursacht worden ist. Zur Entstehung gibt es eine Aussage von Sergeij Prokofjew selbst: "Mit der fünften Sinfonie wollte ich ein Lied auf den freien und glücklichen Menschen anstimmen, seine schöpferischen Kräfte, seinen Adel, seine innere Reinheit. Ich kann nicht sagen, dass ich dieses Thema ausgesucht hätte – es entstand in mir und verlangte nach Ausdruck. Ich schrieb die Musik, die herangereift war und schließlich mein Innerstes ausfüllte. Soweit diese Bemerkung von Sergeij Prokofjew zu seiner 5. Sinfonie in B-Dur op. 100.

Prokofjew selbst hat die Uraufführung in Moskau im Januar 1945 dirigiert – nur wenig später war der Krieg für Russland zu Ende. Und es war das letzte Mal, das Prokofjew als Dirigent aufgetreten ist. Swjatoslaw Richter beschrieb diese Uraufführung so: "Der große Saal war wie gewöhnlich beleuchtet, aber als Prokofjew aufstand, schien das Licht direkt von oben auf ihn herab zu fallen. Und plötzlich, als Stille eintrat und der Taktstock schon erhoben war, ertönten die Artilleriesalven. Er wartete und begann nicht eher, als bis die Kanonen schwiegen. Wie viel Bedeutsames, Symbolhaftes kam da zu Wort."

Die Musiken

Sibelius Andante Festivo für Streichorchester (Santtu-Matias Rouvali)
Weber Ouvertüre zur Oper "Euryanthe" (Paavo Järvi)
Debussy La mer (Aziz Shokhakimov)
Wagner Vorspiel und Liebestod aus "Tristan und Isolde" (Andrés Orozco-Estrada)

Sendung: hr2-kultur, Treffpunkt hr-Sinfonieorchester, 10.02.2018, 10:04 Uhr

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