Miguel Chevalier, Trans-Nature (Still), 2019

Bei Illusionen in der Natur denkt man an Fata Morgana. Doch die Arbeiten in der aktuellen Ausstellung im Sinclair Haus erinnern an Gemälde und sind in Wirklichkeit digital.

Vor einer dunklen, leeren Wand befindet sich eine Reihe von Topfpflanzen. Sobald der Besucher eine von ihnen berührt, am Blatt oder am Stängel wird die gleiche Pflanzenart auf der Leinwand digital zum Wachsen gebracht.

Viele der Arbeiten in der Ausstellung "Illusion Natur" im Sinclair Haus sind digital und muten wie Gemälde an. Teilweise werden die digitalen Bilder zwar auf Screens präsentiert, diese haben aber matte Oberflächen und stecken in dicken Holzrahmen.

Nahtlos von der analogen in die digitale Welt

Die Arbeiten imitieren also die Erscheinung von Gemälden. Ich habe mich bei manchen Bildern spontan gefragt, ob das, was ich sehe gefilmt und nachträglich digital manipuliert wurde oder ob es komplett digital erstellt ist. Das ist eine interessante Verunsicherung – sie zeigt, wie weit die Möglichkeiten der Nachahmung schon gediehen sind.

Einige der Arbeiten orientieren sich aber auch an traditionellen Themen der Romantik. Anlehnungen an Casper David Friedrich mit seinem Eismeer sind zu finden, Cezanne mit dem Mont St. Ventoux wird zitiert.

Brennende Umweltfragen unserer Zeit fehlen

Alle Kunstwerke sind sehr schön, es gab nichts, an dem ich mich hätte reiben können. Es werden ein paar interessante philosopische Betrachtungen angeregt, über Realität, Zeit, Wahrnehmung, aber ich fühlte mich ein bisschen wie in einer ästhetischen Blase.

Die brennenden Umweltfragen unserer Zeit, der Verlust, die Bedrohung von Natur wird an keiner einzigen Stelle in den Blick genommen. Es gibt nicht eine einzige politische Arbeit, nichts was unter die Haut geht. Ein bisschen wirkt die Illusion der Natur wie ein Seditativ.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 15.11.2019, 7:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit