Dirigent Orchester

Not macht erfinderisch - dieses geflügelte Wort trifft aktuell mehr denn je zu, vor allem, wenn man sich die vielen Ideen ansieht, die Musiker zur Zeit ins Netz stellen.

Wer von uns hat da in diesen Corona-Zeiten nicht auch schon Tolles entdeckt: Wohnzimmerkonzerte, Unterricht - alles kostenfrei. Aber: Hand auf's Herz. Viele Künstler stehen gerade vor dem Aus, während wir von dem großen Streaming-Angebot profitieren.

Der russisch-deutsche Geiger, Komponist und Schauspieler Aleksey Igudesman, sonst musikalisch international unterwegs, hat jetzt einen Plan, wie man solche Streams mit Eintrittskarten anbieten könnte, um den Künstlern die Möglichkeit zu bieten, wenigstens einen Teil ihrer entgangenen Einnahmen wieder wettzumachen.

"Music From Home" heißt die Idee von Aleksey, dem Gründer des Start-ups "Musictraveler". Dazu hat er eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. In den nächsten Wochen soll die Idee auch umgesetzt werden. Dann können Musiker sich mit Ihren Konzerten darüber anmelden. Prominente Unterstützer hat er bereits, wie Komponist Hans Zimmer oder Musiker Billy Joel.

hr2-kultur: Die Rettung der Welt, so heißt eine Ihrer Shows, hätten Sie gedacht, dass irgendwann tatsächlich der Moment kommt, an dem man einen ganzen Planeten vor einem Virus retten muss?

Aleksey Igudesman: Manchmal denkt man sich fast, dass der Planet versucht sich selbst zu retten. Es wird viel weniger geflogen, es gibt weniger Abgase etc. Obwohl, es ist grauenhaft, es gibt sehr viel Tote, für die ganze Welt ist es ein großes Umdenken. Ich sehe es eigentlich als eine große Möglichkeit unsere Welt zu verbessern und ich hoffe wirklich, dass es am Ende so sein wird.

Die Künstler leisten uns Beistand mit ihrem gestreamten Wohnzimmerkonzerten, mit Unterricht für Musikschüler zu Hause ... Ausgerechnet diese vielen Musiker stehen jetzt wirtschaftlich vor dem Ruin und bieten ihre Kunst gratis an. Sie wollen helfen, wie?

Igudesman: Mit "Music From Home". Die Idee ist ganz einfach: Wir wollen einfach den Musikern die Möglichkeit geben, etwas einkommen zu haben. Und nur weil die Künstler das von zu Hause aus machen - auch mit größter Qualität - heißt es nicht, dass wir die Künstler nicht unterstützen wollen.

Es streamen extrem viele Leute. Wir würden das gerne etwas mehr zentralisieren, schauen, dass der Kontent gut wird und den Musikern die Möglichkeit eines Einkommens zu geben, durch ein sehr einfaches Ticket-System.

Ist es denn denkbar, dass "Music From Home" auch nach der Krise weitergeführt wird?

Igudesman: Absolut. Diese Idee hatten wir schon vorher. Diese Wohnzimmerkonzerte und dieses Private, Intime ist etwas ganz Besonders. Das wird sicherlich auch weiter gehen.

Die Fragen stellte Adelheid Kleine.

Sendung: hr2-kultur, Klassikzeit, 26.03.2020, 14.30 Uhr

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