Historisches Museum Frankfurt: Frankfurt-Panorama von Sager

Theateraufführungen und Konzerte sind abgesagt und die Museen sind geschlossen. Musik, Kunst und Kultur finden aber statt, in der virtuellen Welt. Das Historische Museum Frankfurt macht mit seinem Digitalen Museum ein Angebot, über dessen Lebendigkeit und Vielfalt man positiv überrascht sein kann!

Mehr als eine bloße Sammlung

Etliche Museen haben ihre Sammlungen online, mit Fotos und Texten. Hier aber gibt es die Möglichkeit sich durch die Gebäude des Museums zu klicken, in einer Tour durch die Highlights des Museums. Zu Beginn wird man im Foyer von Direktor Jan Gerchow begrüßt, dann geht es los: Ins Museum über die Stadt mit viel Geschichte seit dem Mittelalter - und mit einer ganz vielschichtigen Gegenwart.

Was diese Stadt ausmacht

Wo kommt sie her, wie hängt das alles mit Deutschland und der Welt zusammen? Das Digitale Historische Museum stellt 26 Objekte vor, von der Stauferzeit bis heute. Die Sandsteinskulptur von Karl dem Großen zum Beispiel, das Puppenhaus der Familie Gontard oder die Frankfurter Küche - und dazu hört man Erklärungen. Im digitalen Sammlermuseum geht es um Dinge einflussreicher Bürger von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis heute. Hier erzählen diese Bürger ihre eigene Geschichte, oft auf Hessisch, wirklich sehr schön.

Wie bewegt man sich durch die virtuellen Gebäude?

Man klickt in die einzelnen Etagen und sieht dann die Grundrisse mit Ausstellungssymbolen. in der so genannte Highlight-Tour haben die Kuratorinnen und Kuratoren der einzelnen Sammlungen die Erklärungen gesprochen. Und das ganz besonders Schöne an diesem Digitalen Museum: Es spricht wirklich alle an und will alle mitnehmen. Was heißt das? Wie geht das? Durch die unterschiedlichen Perspektiven. Einmal gibt es den wissenschaftlichen Blick der Kuratoren, aber auch den von Laien.

Geschichte durch Geschichten

Zum Foto des Transistorradios etwa erzählt eine Kuratorin die Geschichte von Guiseppe Bruno. Er kam 1962 als sogenannter Gastarbeiter aus Sizilien nach Frankfurt. Deutschland war aber nicht sein Land der Verheißung, auch weil er sich nicht verständigen konnte. Deshalb hat er sich ein Radio gekauft und damit Deutsch gelernt. Dann taucht im Menu am Bildschirm eine zweite Erzählung auf, die einer Migrantin. Wenn sie erzählt, hört man Ausschnitte aus einem Sprachkurs und sogar Guiseppe Bruno im Originalton. Und diese verschiedenen Perspektiven sind im Digitalen Museum miteinander vernetzt. Also Erzählungen von Fachleuten, von Laien und sogar in einfacher Sprache, wenn man will. Da haben dann nicht nur die Fachleute die Deutungshoheit und Geschichte wird dadurch plastischer. Ja, es sind die Geschichten, die hier Geschichte lebendig machen.

Ein Museum wirklich für alle

Es gibt sogar einen Bereich "Museum inklusiv". Dort sieht man auf Videos Menschen mit geistiger Beeinträchtigung vor den Objekten. Marvin Brandmeier zum Beispiel, er erklärt das Modell der im Krieg zerstörten Frankfurter Altstadt. Über das Altstadtmodell von 1927 erzählt ein Geschichtsstudent. Sein UrUr-Großvater hatte damals ein Geschäft in der Altstadt. Und so hat er noch mal einen ganz anderen Blick darauf. Multimedial, multiperspektivisch und inklusiv.

Mehr als Ersatz für den Museumbesuch

Das Digitale Museum ist nicht vergleichbar mit einem Besuch im Museum, wo man durch die Ausstellung läuft, mal hier eine Schild studiert und mal dort stehenbleibt, es ist etwas ganz eigenes. Man kommt hier der Geschichte näher, obwohl man weit weg vor dem eigenen Computer sitzt. Ganz ohne reale Gegenstände. Das ist großartig gemacht, man findet sich leicht zurecht, alles ist selbsterklärend, man kann sich durch die virtuellen Räume treiben lassen und Frankfurt neu über das Alte kennenlernen.

Die Fragen stellte Doris Renck
Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 18.3.2020, 7:30 Uhr

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