Asmik Grigorian

"Weltrum über Nacht" habe sie erreicht, schreibt "Die Zeit" über die litauische Sängerin Asmik Grigorian, die jetzt an der Oper Frankfurt als Puccinis Manon Lescaut zu hören sein wird. Berühmt? Also so wie Michael Jackson berühmt? Warum eigentlich? Machen wir uns auf die Suche nach dem Kern dieser ergreifende Stimme.

Sie füllt Räume, innen und außen

Sie sang in Salzburg die Salomé - so schön, so eiskalt, beklemmend, so grausam. Körper und Stimme hinterließen verstörende Bilder. Seit Juni 2018, seit jenen Salzburger Festspielen, klebt die Salomé an Asmik Grigorian. Diese überkomplexe Frauenfigur, über die Oscar Wilde einen Roman, Richard Strauss eine ganze Oper schrieb, und vor der die Sopranistin Asmik Grigorian von Anfang an so viel Respekt hatte.

Sie singt sie groß, voll, rund, offen. Immer so, dass man als Hörer getragen wird in die Welt dieses unergründlichen Salomé-Wahnsinns, deren Schlüssel eben nur solche Töne sein können. Genau so wird Singen groß: Wenn Stimme einen inneren und äußeren Raum öffnet und wir als Hörer da plötzlich mitten drin stehen. Im Gefühl des anderen.

Die Größte? Vielleicht ...

Plötzlich sind alle wie elektrisiert von ihr. Kritiker*innen überschlagen sich mit Lob. Asmik Grigorian? Sie sei die beste Sängerin der Welt, schreit das Internet. Na, Anna Netrebko ist ja auch noch da.

Asmik Grigorian ist 38 Jahre alt, stammt aus Litauen, ihre Eltern waren beide Profi-Sänger. Sie ist spezialisiert auf das italienische Fach: Violetta, Desdemona, Manon, Marietta, Cio-Cio-San. So heißen diese Frauenfiguren, die man nicht so einfach wegsingen kann. Weil sich mit ein bisschen psychologischem Zugriff eben Abgründe auftun - Zwänge, Dilemmata, Missbrauchsverdächtigungen, Demütigungen. Das, was man gerne unter den Teppich kehrt. Und genau das kann diese Sängerin aufdecken, abtasten, ausleuchten. Diese Stimme berührt uns, wir glauben Asmik Grigorian, was sie singt. Wir nehmen ihr das ab. Wort für Wort, Bewegung für Bewegung. Stimme und Körper sind bei ihr eins – und zwar so, dass sie die Geschichte verkörpert, nicht vorturnt.

Sängerin des Jahres - in Hessen

Auf Instagram zeigt sich die Sängerin divers: mal mit schwarzer Skater-Wollmütze – Street-Art-mäßig, mal im Blümchenkleid-Selfie, dann wieder pompös im tiefausgeschnittenen Jumpsuit. Egal, ist sowieso alles nur Oberfläche.

In Hessen war Asmik Grigorian übrigens schon lange vor ihrer prominenten Salzburg-Salomé präsent: In Wiesbaden sang sie 2016 die Judit aus Herzog Blaubarts Burg und die Tatjana aus "Eugen Onegin". In Frankfurt ist sie jetzt schon zum zweiten Mal zu hören, mit der Manon. Gut zu wissen, dass hier die Stars von morgen singen.

Manon Lescaut
Dramma lirico in vier Akten
von Giacomo Puccini
Oper Frankfurt
6., 10.,13., 18., 25., 27. Oktober,
2., 9., 15., 23. November 2019

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit