Dr. Arne Kapitza

Ein Verwaltungswort wie ein Riegelschloss. Hart und unsympathisch. Partypapageien und Nachtfalken hassen es, weil es nach Käfig klingt. Das wissen auch demokratische Politiker und verhängen Ausgangssperren nicht leichtfertig.

Schon gegen das Wort "Sperre" haben sie eine "Sperre". Deshalb sprechen sie lieber von Ausgangsbeschränkungen. Und die sind nur das letzte Mittel, eine "Notbremse", die ein Unglück verhindern soll.

Die Sprachwelt der beschrankten Bahnübergänge und des Nothalts bei Gefahr klingt weniger bedrohlich als Wörter mit "-sperre", was sich nach Bestrafung, nach Hausarrest anfühlt. Aber das Wort "Ausgangssperre" eignet sich halt sehr gut dazu, demokratische Politiker in die Nähe von Diktatoren zu rücken. Und das tun ausgerechnet Leute, die Halbdiktatoren sonst eher gut finden. Nur eine Sorte "Querdenker" hierzulande verhält sich in epidemiologischer Hinsicht vorbildlich. Das sind die "Reichsbürger".

Sie erklären ihren Gartenzaun zur neuen Reichsgrenze. Heißt das nicht eigentlich auch, dass ihnen die Einreise in die Bundesrepublik Deutschland verwehrt werden kann? "Halt! Wiedereinreise nur getestet oder geimpft!" Damit würde man womöglich manche Ansteckungen verhindern und so die Zeit der Ausgangssperren deutlich abkürzen. Und sollten sie doch mal wieder nötig sein, nennen wir das zeitweilige Zuhausebleiben-Müssen doch lieber: "Bundesbrettspielabend", "Solidarisches Seriengucken", "Hygienisches Home-Staying", "Hyggeligkeits-Event"! Auch nicht gut? War ja nur ein Versuch. Alles, nur nichts mit "Sperre".

Lust auf mehr Sprachspielereien? Hören Sie das Pfingstprogramm in hr2-kultur!

Sendung: hr-kultur, 23.5.2021