Staatstheater Wiesbaden - Carmen

Georges Bizets Oper "Carmen" gehört zu den Dauerbrennern auf den Opernbühnen der Welt. Auch in Hessen, wo in Frankfurt und Darmstadt in den letzten Jahren Neuinszenierungen zu sehen waren. Und in Gießen gibt es Carmen gerade wieder als Tanzstück zu sehen. Nun zieht das Staatstheater Wiesbaden nach: dort hatte am Samstag die Oper in der Inszenierung von Intendant Uwe Eric Laufenberg Premiere.

Liebe, Eifersucht und Stierkampf

Um Liebe und Eifersucht geht es in Bizets Oper, in der Carmen dem Soldaten Don José den Kopf verdreht, der für sie desertiert, dann aber feststellen muss, dass Carmen ihr Herz inzwischen an den Torero Escamillo verloren hat. Diese dramatische Liebesgeschichte wird eigentlich recht konventionell erzählt. Allerdings beginnt der Abend mit einer Provokation: Zur Ouvertüre werden auf dem Vorhang Filmaufnahmen eines Stierkampfs gezeigt. Drastische Bilder, die spontane Buhs provoziert haben. Aber letztlich ist das ja genau die Auseinandersetzung zwischen Carmen und Don José: da geht es um Leben und Tod. Diese Parallele zieht Uwe Eric Laufenberg ganz bewusst, wenn zum Schluss Carmen und Don José in der leeren Stierkampfarena aufeinander treffen, sich voller Emotionen und Adrenalin umkreisen - und zuletzt bleibt sie tot zurück.

Konventionelle Erzählform, aber hörenswerte Musik

Die Erzählform ist also eher konventionell. Und die Figur der Carmen, die selbstbewusst gezielt ihre Reize einsetzt, bleibt letztlich doch recht eindimensional. Aber trotzdem: Eine gut gemachte und sehr hörenswerte neue "Carmen" am Staatstheater Wiesbaden, für die die Mitwirkenden und die Regie bei der Premiere viel Applaus bekommen haben.

Spanisches Kolorit, wunderbare Melodien

Georges Bizets Carmen-Musik verfehlt auch in Wiesbaden ihre Wirkung nicht: Spanisches Kolorit, wunderbare Melodien – das alles wird vom Hessischen Staatsorchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor Patrick Lange temperamentvoll und farbig musiziert. Übrigens hat man sich in Wiesbaden für die ursprüngliche Version entschieden, also jene Fassung die Bizet als "opéra comique" geschrieben hat. Das heißt, es gibt keine Rezitative, mit denen die Oper später bekannt geworden ist, sondern die Texte zwischen den Arien werden gesprochen.

Viel Applaus für Micaela

Die internationale Besetzung in Wiesbaden gestaltet nicht nur die französischen Texte gut, sondern singt vor allem gut: Auch stimmlich ein sehr leidenschaftliches Paar sind Lena Belkina und Sébastien Guèze als Carmen und Don José. Dagegen fiel der Escamillo von Christopher Bolduc etwas ab – aber es war in Wiesbaden ein durchwegs gut besetztes Ensemble zu hören und besonders viel Applaus hat die Micaela von Sumi Hwang bekommen. Und erwähnt werden müssen auch noch der Opernchor und die Jugendkantorei der Evangelischen Singakademie Wiesbaden, die wirklich toll gesungen und gespielt haben.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 17.9.2019, 7:30 Uhr

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