hr2-Kulturgespräch

Vor der wirklichen Welt lernte Hans Fallada die Welt der Bücher kennen. Er war ein kränkliches Kind und wurde vom Vater zur Genesung stets mit Lesekost versorgt. In welche existentiellen Schwierigkeiten die Bücher ihn aber auch brachten, davon erzählen die überwiegend autobiografischen Texte, die von der Mitte der 1920er-Jahre bis zu seinem Tod 1947 reichen. Sie offenbaren, in welchem Maße der Autor ein einzigartiges Gespür für soziale Problemlagen entwickelt, unablässig Wirklichkeit beobachtet und sprachliche Mittel findet, um mit wenigen Strichen welthaltige Geschichten zu entwerfen – humorig, ironisch, sarkastisch und manchmal abgrundtief traurig. So wenn er vom Bäckerssohn Alfred Sas erzählt, der in den Jahren 1942/43 im "Todeshaus Plötzensee" 180 Tage lang auf die Vollstreckung seines Urteils wartet – und darüber zum Dichter der ergreifendsten Liebeslyrik wird. Der Herausgeber Carsten Gansel spricht in hr2-kultur über die Anekdoten, Erzählungen, Berichte und Reden von Fallada, die er für den Band "Warnung vor Büchern" gesammelt hat.

Sendung: hr2-kultur, "Am Nachmittag", 03.01.2022, 17:15 Uhr