Thomas Loibl

Die fiktive Insel Minger liegt im Mittelmeer, gehört zum Osmanischen Reich und ist ein kleines Paradies. Als im Jahre 1901 die Pest ausbricht, ist das Leben vieler ist plötzlich bedroht und die Gesellschaft zerbricht, denn die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen – muslimische Türken und christliche Griechen – beschuldigen sich gegenseitig. Es grassieren die wildesten Gerüchte und Verschwörungsfabeln und die Menschen klammern sich an religiöse Riten – wie Bayram Effendi, der an der Pest erkrankt ist.

Die Roman-Parallelen zu heute liegen auf der Hand: Die Insel-Behörden schwanken und ändern unentwegt ihre Quarantäne-Politik, die Bevölkerung äußert ihre Wut in Protestmärschen und Demonstrationen und ethnische und politische Konflikte brechen offen aus. Die Vermutung liegt nahe, dass der Autor auf die Corona-Situation reagierte, was jedoch nicht stimmt, denn er arbeitete bereits seit 2016 an diesem Roman.

Der 1952 in Istanbul geborene Autor wuchs in einer gutbürgerlichen Familie auf. Er studierte Architektur und Journalismus, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Heute ist er einer der populärsten Schriftsteller der jüngeren türkischen Generation. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit vielen internationalen Preisen bedacht wie dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und dem Nobelpreis für Literatur.

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Sendungen: hr2-kultur, Hörbuchzeit, 30.04.22, 12:04 Uhr;
hr2-kultur, Am Sonntagmorgen, 01.05.22, 09:04 Uhr.