Édouard Louis

Heute suchen wir einen französischen Autor, der 1992 in Hallencourt in der Picardie geboren wurde. Allerdings unter einem völlig anderen Namen als er heute bekannt ist: Eddy Bellegueule, was soviel heißt wie „Schönes Maul“, ein allzu sprechender Name, an dem unser gesuchter Autor offenbar nicht hing. Er legte sich nicht nur ein Pseudonym zu, sondern änderte gleich offiziell Vor- und Nachnamen.

Dabei ging es ihm zuallererst darum, Brücken zu seiner Herkunft abzubrechen, daraus machte er nie einen Hehl. Er wuchs in schwierigen, eher ärmlichen Verhältnissen auf, dazu erfuhr er bereits in jungen Jahren Gewalt und Mobbing auf Grund von Homophobie. Um all dies hinter sich zu lassen, zog er nach Paris und änderte seinen Namen. Es gelang ihm an einer der Elitehochschulen Frankreichs aufgenommen zu werden, der École Normale Supérieure.

Dort studierte bei dem Soziologen und Philosophen Didier Eribon. Mit gerade einmal 22 Jahren veröffentlichte er seinen autobiografischen Debütroman, der auf Anhieb zu einem Bestseller anvancierte. Darin stellte unser gesuchter Autor die Schwierigkeiten eines Jungen in der französischen Provinz dar, der aufgrund seiner Homosexualität schon früh ins Abseits gerät und sich darum gezwungen sieht, in die Stadt zu fliehen.

Unser gesuchtes Werk schließt gewissermaßen daran an: Seit dem Ausbruch aus der provinziellen Enge sind ein paar Jahre vergangen, in denen der Ich-Erzähler mehrere Verwandlungen vollzogen hat: die seines Namens zuallererst, die seines Gesichts. doch auch der soziale Aufstieg hat unerwartete Spuren hinterlassen. 

Hören Sie einen Ausschnitt, gelesen von Patrick Güldenberg. 

Obwohl unser gesuchter Autor in seinen Texten radikal Zeugnis darüber ablegte, wie weit er sich von seiner Herkunft und Sozialisation abgrenzen musste, so sind ihm die Menschen dieser sozialen Schichten doch keineswegs egal. In einem 2018 erschienenen Roman beschrieb er, wie sein Vater körperlich zu Grunde ging. Denn dieser sah sich trotz eines massiven Rückenleidens gezwungen, einen Job als Müllsammler anzunehmen, um seinen Anspruch auf Sozialleistungen nicht zu verlieren.

Unser gesuchter Autor solidarisierte sich mit der Gelbwesten-Bewegung, auch wenn manche Teilnehmende sich „rassistisch und homophob“ geäußert haben sollen – dies ändere nichts daran, dass die Proteste gegen die soziale Ungleichheit berechtigt seien. Unser gesuchter Autor lebt heute nach wie vor in Paris. 

Welchen berühmten französischen Autor suchen wir? 

Sendungen: hr2-kultur, "Hörbuchzeit", 19.11.2022, 12:04 Uhr und "Am Sonntagmorgen", 20.11.2022, 9:04 Uhr.