Martin Lücker

Alles steht still - und was machen eigentlich die regionalen Künstler? Einer, der sofort auf die Corona-Krise reagiert hat, ist Martin Lücker, der Organist der Frankfurter Katharinenkirche. Er macht, was er am besten kann: er spielt dort die Rieger-Orgel. Für alle, bei freiem Eintritt, jetzt im Netz.

Martin Lücker spielt seit Jahrzehnten schon Orgel. In schöner Regelmäßigkeit, mit einer beispiellosen Routine. Martin Lücker, das Gewohnheitstier, spielt seit 1983 auf der Rieger-Orgel von St. Katharinen die so genannten "Orgelmusiken", eine Reihe von kleinen Konzerten, 30 Minuten lang – immer montags und donnerstags. Seit zwei Wochen gibt es die Konzerte nun jeden Montag und Donnerstag um 16:00 Uhr auf Youtube zu sehen und zu hören.

"Ich möchte für alle Freunde der Orgelmusik, und sicher auch für mich selber, die Orgelmusiken fortführen - denn sie geben meinem Leben Gerüst, Sinn, Halt und Struktur. Und das machen wir nun so, dass wir die Orgelmusiken vorproduzieren. Wir nehmen die vorher auf, und sie werden jeweils an dem Tag, an dem die Orgelmusik hier öffentlich gespielt wurde, werden sie dann im Netz stehen."

Martin Lücker spricht hier, er wendet sich in einem kurzen Video persönlich an sein Publikum. Das ist typisch für ihn. Er hat seine Musik nie nur einfach abgeliefert, sondern sie immer vermittelt, ja, eigentlich immer liebevoll hingetragen zum Publikum, so dass das so viel mitnehmen konnten wie auch er. Ja, eben so, dass alle zusammen ein gemeinsames Erlebnis haben konnten und können. Im Moment spielt Lücker Musik zur Passionszeit.

Wir sind mitten in der Fastenzeit, das ist eine der musikalischen Kernzeiten vor Ostern, wenn nicht sogar DIE wichtigste Zeit schlechthin. Also Zeit für Bach, Bach, Bach. Für Passions-Choräle oder für die Fantasie und Fuge in c-Moll. Martin Lücker arbeitet in den nächsten Wochen das volle Bach-Programm ab.

Bach, Variationen und Kombinationen

Hör-Favoriten könnten im Moment die großen romantischen Werke von Max Reger und Franz Liszt sein, die Martin Lücker immer wieder mit Bach kombiniert – weil man sich an ihnen berauschen kann, etwa an den Variationen, die Franz Liszt über die Kantate "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" von J.S. Bach geschrieben hat. Kollegen haben dieses Musikstück einmal zu einer "klingenden Enzyklopädie des Schmerzes" hinzugefügt.

Entdeckungen und Erweckungen

Liszt auf der Orgel ist live in einer Kirche wie der Katharinenkirche schon unaushaltbar gut - zuhause aus dem Lautsprecher meines Computers sogar immer noch schön ausgewogen! Diese Musik hier ist groß, bombastisch, sie hat Kraft, sie wummert, das schimmert, eiert und wabert in filigranen Melodielinien und mündet dann in brachiale Akkordkracher.

Wie Martin Lücker die vielen Farben auf seiner Orgel mit feinstem Pinsel ausmalt, fett hinschmettert, sachte tupft und dann wieder breit malt, verleitet mich auch zu einem analytischem Hören und Suchen nach ungewöhnlichen, ja, skurillen Klängen, die eben nur eine Orgel kann. Mit Kopfhörern kann man sich dann dafür auch perfekt seine eigene Orgelblase bauen, so als säße man da ganz allein in einer riesigen Kirche.

Bei diesen Liszt-Variationen, die Martin Lücker am 19. März veröffentlicht hat, beginnt im Video bei 28'06 der Choral "Was Gott tut, das ist wohl getan" - da läuft es mir kalt den Rücken runter. Das ist schön, das ist spirituell, das beruhigt. Martin Lücker zieht zum Schluss noch einmal das ganze Orgelpanorama im tutti auf, und, ja ... alles wird gut!

Die Orgelmusiken sind auf YouTube zu hören und zu sehen. Martin Lücker hat dort einen eigenen Kanal unter seinem Namen

 Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 3.4.2020, 7:30 Uhr

 

 

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