Ein geöffnetes Buch mit leeren Seiten, einem Stift und einer Brille.

Wenn alles sehr vage ist, braucht der Mensch einen Plan. Also setzen Onkel Theo und ich uns morgens an den Küchentisch mit Kaffee, Notizblock und Vorsätzen. Es gäbe ja so viel zu tun, sagt dann einer und der andere stimmt zu, denn auf viel zu tun kann man sich immer einigen. Aufräumen müsse man, den Abwasch machen, mit Unkraut jäten solle man jetzt schon beginnen, man dürfe aber auch nicht so klein denken, man habe ja jetzt endlich Zeit für all die großen Projekte, ein gutes Buch lesen wolle man schon lange, ein noch besseres Buch könne man jetzt endlich schreiben, jaja, oder eine Sprache lernen, oder ein Instrument, oder den Sinn des Lebens und wenn das vielleicht doch zu groß ist, liegt noch ein Paket bei der Post.

Am Ende des Tages schauen wir dann wieder auf die Liste. Sie ist sehr lang und sehr schön geschrieben und nichts ist abgehakt und nichts ist durchgestrichen. "Was haben wir eigentlich den ganzen Tag gemacht?" sagt dann einer und der andere sagt "Sorgen" und nicht mal das stimmt, die Sorgen machen sich ja immer von selbst.

Ich frage mich, ob die Liste vielleicht doch zu lang sei.  "Niemals," antwortet Onkel Theo "sie ist ja noch nicht mal komplett!" Ich prüfe die Liste – Buch, Garten, Klavier, Küche, Kuchen backen, Alt-Griechisch, Altsaxophon, Altlasten abarbeiten, Alliterationen aneinanderreihen, Post, Plato, Pointilismus – was bitte kann an dieser Liste noch fehlen? "Die Umstände" sagt Onkel Theo. Wir schreiben auf "Sich fürs Gerade-gar-nichts-auf-die-Reihe-kriegen verzeihen", der letzte Punkt auf unserer Liste und immerhin den haken wir gemeinsam ab. "Wieder was geschafft," sagt Onkel Theo dann. "Wir habens echt drauf", sage ich. Danach wird es etwas leichter.

Sendung: hr2, Kulturfrühstück, 26.03.2020, 6:05 - 9:30 Uhr

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