Podcast Ausgepfiffen - Schlechte Zeiten für Whistleblower

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Wikileaks-Gründer Julian Assange wird von Großbritannien nicht an die USA ausgeliefert. Das ist seit Anfang der Woche klar. Diskussionen gibt es aber um die Begründung des Londoner Gerichts. Es führt humanitäre Gründe an, Assanges psychischer Gesundheitszustand sei in England schon so kritisch, dass man befürchtet, er könne sich in der US-Isolationshaft das Leben nehmen. Das Problem mit dieser Begründung: Es geht nur noch um die Frage, ob Assange fit genug für die Haft ist, nicht um seine Rolle. Ist er Whistleblower oder Spion? Held der Wahrheit oder Verbrecher? Oder sind das falsche Alternativen? Wenn das keine Rolle mehr spielt, könnte das Londoner Urteil gefährlich sein für alle Whistleblower oder investigativen Journalisten. Es könnte ihnen den Schutz der Pressefreiheit nehmen und den Weg freimachen für eine Strafverfolgung unter Spionagevorwurf. Das Schicksal von Julian Assange, Edward Snowden und anderer Informanten zeigt, dass Menschen, die Dinge aufdecken, mit schwersten persönlichen Folgen zu rechnen haben - in der Politik, der Wirtschaft, der Altenpflege. Dabei wird Whistleblowing inzwischen als Bestandteil einer gesunden Organisationskultur gelobt und in großen Firmen als Teil des Systems institutionalisiert. Sollte eine mündige Gesellschaft nicht Wert darauf legen, dass jemand ans Licht bringt, was zu Unrecht geheim gehalten wird. Oder reicht es inzwischen, die Whistleblower als Verschwörungstheoretiker zu entwerten, um sie zu erledigen?

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