Podcast Die Asche von Moria

Stilisierte Uhr

Es ist eine Katastrophe, wenn ein Flüchtlingslager brennt, und zwar aus gleich mehreren Gründen. Vor allem anderen ist ein Brand wie der im Lager Moria auf Lesbos lebensgefährlich für die Menschen, die dort auf engstem Raum zusammengepfercht sind. Und es grenzt an ein Wunder, dass bei diesem Brand niemand zu Tode gekommen ist. Außerdem hat das Feuer diesen Menschen auch noch die einzige - armselige - Zufluchtsstätte genommen, die sie bislang hier in Europa gefunden hatten. Und nicht zuletzt erinnert das Feuer daran, was für ein politischer, hygienischer und sozialer Brennpunkt Moria ist. Es erinnert daran, dass es Flüchtlingslager wie in Moria eigentlich gar nicht geben sollte. Und wenn doch, dann nur vorübergehend. Schon längst hätten die politisch Verantwortlichen in der EU denen, die zu ihnen geflüchtet sind, ein anderes Dach über dem Kopf verschaffen müssen, auf unserem Kontinent. Dass sie das nicht zuwege gebracht haben, ist die Katastrophe, die hinter den Flammen von Moria zum Vorschein kommt. Aber könnten diese Flammen dann wenigstens zu einem Fanal werden - im Sinne derer, die unsere Hilfe brauchen? Ein Fanal ist ein Zeichen, das "Aufmerksamkeit erregt und Veränderung ankündigt". Immer wieder gibt es derartige Fanale - wie z.B. vor sechs Jahren beim Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch. Und was entsteht daraus? Aufmerksamkeit? Ja, wahrscheinlich, aber wie lange? Veränderung? Vielleicht, aber wie entschlossen? Wie wirkungsvoll? Wie nachhaltig? Das sind die brennenden Fragen angesichts der Trümmer - im Flüchtlingslager und in der Flüchtlingspolitik.

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