Podcast "Es ist ernst" – Kommunikation in der Krise

Stilisierte Uhr

Vor etwas mehr als einem Jahr hielt Angela Merkel eine dramatische Rede zur Corona-Lage, die in der Aufforderung gipfelte "Es ist ernst. Nehmen Sie es ernst". Das hielten viele für angemessen und eindringlich, eine Universität verlieh der Kanzlerin sogar einen Preis dafür. Nach einem Jahr ist die Lage immer noch nicht unernst, aber die Begeisterung für die Krisenkommunikation der Bundesregierung ist abgeflaut. Die Kanzlerin legt die preisgekrönte Unheilsplatte immer wieder auf, wenn aber von ihr Lösungen und Zukunftsperspektiven verlangt werden, fällt ihr wenig ein außer "Lockdown". Der Gesundheitsminister muss abwechselnd falsche Versprechungen zurücknehmen und handfeste Fehler eingestehen. Und auch der Rest der Berliner Kommunikationsfachkräfte tut sich schwer, die schleppende Impfkampagne, die Maskengeschäfte diverser Abgeordneter und die auffällige Rat- und Konzeptlosigkeit der Coronapolitik akzeptabel zu erklären. Nun wird Politik sicher nicht besser dadurch, dass man sie "besser kommuniziert", wie das gelegentlich zu lesen und zu hören ist. Aber gerade in einer andauernden Krise ist gelungene Kommunikation doch sehr wichtig. Es geht ja nicht nur ums Erklären, sondern auch darum, falsche Reaktionen zu verhindern und Handlungsfähigkeit zu fördern. Vielleicht kann man das bei denen lernen, die fast täglich in Krisen kommunizieren müssen: zum Beispiel bei der Polizei.