Podcast Es ist nie zu spät – die letzten NS-Prozesse

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Irmgard F., eine 96jährige, ist angeklagt vor der Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe. Weil sie mit 18 Jahren als Schreibkraft im KZ Stutthof bei Danzig gearbeitet hat. Dass sie sich erst jetzt, nach so vielen Jahrzehnten, dafür verantworten muss, zeigt wie langsam die Mühlen der Justiz mahlen, wenn es um Verbrechen der NS-Zeit geht, ja wie spät sie oft erst anfangen (können?) zu mahlen. Viele mögen sich fragen, wieviel Schuld eine junge Sekretärin wie die Angeklagte damals im KZ auf sich geladen hat und ob ihr jetzt, da sie gebrechlich ist, noch der Prozess gemacht werden sollte. Aber im KZ Stutthof sollen 66.000 Menschen ermordet worden sein. Die Angeklagte dürfte damals zumindest gewusst haben, was um sie herum geschah. Ihre schwachen Kräfte heute haben immerhin so weit gereicht, dass sie vor Verhandlungsbeginn vorübergehend die Flucht ergreifen konnte. Und schließlich: die Leiden derer, die in Konzentrationslagern gefoltert, erniedrigt und ermordet worden sind, wiegen auch nach Jahrzehnten noch genauso schwer wie damals. Der Prozess gegen Irmgard F. kann jetzt beginnen. Besser viel zu spät als nie.