Podcast Getan, gesagt - Die Stunde der Denunzianten

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"Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant". Das soll angeblich Heinrich Hoffmann von Fallersleben gesagt haben, der Dichter des "Deutschlandliedes". Ist das symptomatisch? Ist das Denunzieren gerade auch ein "Lied der Deutschen"? Angesichts der beiden deutschen Diktaturen im 20. Jahrhundert könnte man auf diesen Gedanken kommen. Denn beide, das Nazi- und das DDR-Regime lebten gerade auch von Denunzianten. Und viele von denen wiederum hofften, selbst überleben zu können, indem sie andere denunzierten. Aber wie ist das heute - in Zeiten von Corona? Wie zahlreich sind jetzt die Anzeigen gegen Menschen, die gegen die Abstands- und Hygieneregeln verstoßen? Und ist es angebracht, in diesem Zusammenhang vom "Denunzieren" zu sprechen? Wie sehr bei diesem Thema Vorsicht geboten ist, zeigt gerade das Beispiel Hoffmann von Fallerlsleben. Denn dass der Dichter unserer Nationalhymne den Denunzianten als "Lump" gebrandmarkt (oder denunziert?) hätte, ist nirgendwo belegt. Sollte also ausgerechnet der bekannteste Satz über Denunzianten dem falschen Urheber angehängt worden sein? Wenn das kein bemerkenswerter Zufall wäre! Wobei eine Denunziation nicht so sehr eine falsche Beschuldigung ist. Aber sie ist definitiv eine anrüchige Beschuldigung! Woran liegt das? An den Motiven des Denunzianten? An dem Vergehen, das er anzeigt? An der Anonymität, hinter der sich viele (wenn auch nicht alle) Denunzianten verschanzen? Was unterscheidet den Denunzianten von dem, der bei einem Vergehen nicht wegschaut und auch nicht nur hinschaut, sondern den Mund aufmacht? Was ja so oft als eine Tugend gilt! Und was unterscheidet ihn z.B. vom Whistleblower?

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