Podcast Lucky Loser - Verlieren als Erfolgsmodell

Stilisierte Uhr

Und dann gesteht Donald Trump mit bewegter, aber klarer Stimme seine Niederlage ein und wünscht über alle politischen Gräben hinweg seinem Nachfolger Joe Biden Glück, und alle fallen sich in die Arme...halt! An solchen Kitsch glauben wir natürlich nicht: Trump hält sich erstens womöglich immer noch für den eigentlichen Wahlsieger, und zweitens ist er ja offensichtlich ein schlechter Verlierer. Das halten viele für kindischen Trotz, es könnte aber auch eine Strategie sein. Wer die Niederlage nicht anerkennt, schmälert den Sieg. "Ihr habt geschummelt" sagen Kinder, um den anderen die Freude zu verderben und sich über den eigenen Schmerz zu trösten. Trump tröstet zugleich seine Fans mit der Botschaft "Eigentlich haben wir gewonnen" und versucht, die Legitimität seines Nachfolgers zu beschädigen. Gerhard Schröder hat 2005 in der Wahlnacht die Westentaschenversion dieser Strategie vorgeführt. Im Leistungssport gibt es Trainer, die fast jede Niederlage auf dunkle Machenschaften zurückführen. Und Sportler, die reklamieren, auf Werbebanden und Fans eintreten, Schläger zerschmettern und sich regelrecht als schlechte Verlierer inszenieren: und dafür von den Fans als eigensinnige, unangepasste Persönlichkeiten gefeiert werden. Womit wir schon wieder bei Donald Trump sind. Wenn es ihm nur um die Wahrung seines Images und einem grandiosen Abgang ginge, wäre sein Benehmen zu verschmerzen. Aber in der Politik stiften die schlechten Verlierer oft Verschwörungsmythen, die Staat und Gesellschaft auf Jahre hinaus vergiften. In Deutschland nannte man sowas mal "Dolchstoßlegende", und es hatte großen Anteil am Aufstieg Adolf Hitlers.

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