Podcast Verriss, Feedback, Auseinandersetzung - Die schwierige Kunst der Kritik

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Mit Marcel Reich-Ranicki etwa verbinden viele die Vorstellung, dass eine richtige Kritik nur ein saftiger Verriss sein kann. Das war allerdings nicht immer so: Immanuel Kant hat die reine Vernunft in seiner Kritik nicht verrissen, sondern nur ganz genau untersucht, was sie kann und was nicht. Aus dem kritischen Unterscheiden wurde nach und nach das subjektive - und manchmal negative - Urteil über eine Sache, z.B. als Kunst- und Literaturkritik. In der Philosophie bei Marx und später in der Kritischen Theorie wurde die Kritik eine umfassende Kritik der Verhältnisse, oft mit dem Ziel, die Verhältnisse zu verändern. Und in der Umgangssprache wurde aus der Kritik ein Zwitterwesen aus Genörgel, Schimpfen, in die Tonne treten oder eben brillantem Verreißen. Gebraucht wird Kritik in allen Formen dringend. Es gibt Profikritiker, die sich mit Musik, Büchern und der Leistung von Köchen beschäftigen. Es gibt Kabarettisten und Satiriker, die - mal mit, mal gegen ihren Willen - als Gesellschaftskritiker gehandelt werden. Die Laien betreiben derweil je nach persönlicher Vorliebe Islamkritik, Sprachkritik, Kapitalismuskritik und geraten sich dabei im Internet in die Haare. Und dann sind da noch die Zeitkritiker, die finden, dass die Kritik auch nicht mehr das ist, was sie einmal war.

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