Lyonel Feininger Dorfteich von Gelmeroda 1922

Gibt es eine "Bauhaus-Musik", wo es doch Bauhaus-Architektur und Bauhaus-Design gibt? Die Junge Deutsche Philharmonie wagt einen Versuch. Sie hat fünf zeitgenössische Komponistinnen und Komponisten und fünf Poetry-Slammer*innen gebeten, Gemälde von fünf berühmten Bauhaus-Künstlern als Inspirationsquelle für Vertonungen und Texte zu nehmen.

Versuchen die Komponisten, sich klanglich möglichst exakt dem Gemälde anzunähern?

Es ist mehr Inspiration und Intuition als Deskription. Keine der Kompositionen heißt so wie das entsprechende Gemälde. Also nicht wie Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung", dort heißen die Musikstücke genau so wie die Gemälde "Der Marktplatz von Limoges" oder "Das große Tor von Kiev". Hier ist das anders. Paul Klees Bild "Blick in das Fruchtland" zum Beispiel findet seine klangliche Entsprechung in einer Komposition von Martin Grütter und die heißt "Farnblüte".

Unterschiedliche Bilder, unterschiedliche Komponisten und Poetry-Slam - ja, wie klingt Bauhaus denn jetzt eigentlich?

Sehr heterogen, sehr kontrastreich und sehr spannend. Das Konzert stand ja unter dem Motto "Under Construction", also "wir geben hier im Jahr 2019 Denkanstöße mit dem Konzert, liefern aber keine definitive Lösung". Trotzdem haben mich einige Texte und Musiken mehr angesprochen als andere. Sehr wiedergefunden in meiner eigenen Wahrnehmung habe ich mich in Text und Musik zu Feiningers Bild "Dorfteich von Gelmeroda" (siehe oben). Das Bild zeigt das thüringische Dorf Gelmeroda mit kubistisch-geometrischen Formen - das Ganze in einem Teich gespiegelt. Dazu hat die Poetry Slammerin Franziska Holzheimer ihren Text vorgetragen, der sehr gefühlvoll, nachdenklich, in verschiedenen Perspektiven diesen Teich, dieses Dorf, auch das Betrachten selbst beschreibt. Danach kam die Musik von Carlos Cárdenas mit dem Titel "hin und her". Da wurde zuerst wie in einer barocken Fuge ein Thema von Instrument zu Instrument weitergegeben, bis sich das Ganze schließlich - wie verschwommen gespiegelt in einem Teich - auch in der Musik unkonturierter wurde. Da fand ich Text und Komposition zum Gemälde am stimmigsten.

Die "Junge Deutsche" und Dirigentin Corinna Niemeyer, wie hat das Zusammenspiel funktioniert?

Ein Abend mit Auftragskompositionen fünf zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten stellt höchste Ansprüche an das Ensemble. Corinna Niemeyer hat mit viel Präzision und Schwung diese schwierigen Partituren dirigiert und die Musikerinnen und Musiker sicher durch viele vertrackte Stellen gelotst. Und ein Kompliment an das Ensemble: Alle Instrumentalisten, Flöte, Klarinette, Horn, Trompete, Posaune und Perkussion waren sehr exponiert und haben sehr gut gespielt. Das war ein interessanter, spannender Abend, für den es viel Applaus gab.

Hinweis: Für das erwähnte Konzert am 1. Oktober in Offenbach ist der Vorverkauf beendet. Eintrittskarten erhalten Sie evtl. an der Abendkasse.

Sendung: hr2-kultur,1.10.2019, 7:30 Uhr

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