Gerhard Wiese

Mit 92 Jahren ist Gerhard Wiese der letzte, noch lebende Ankläger der Auschwitz-Prozesse. Als junger Staatsanwalt hatte er unter der Leitung von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer die Anklageschriften mitformuliert und die Plädoyers gegen einige der brutalsten Täter gehalten. Er half mit, das größte Menschheitsverbrechen der Geschichte vor Gericht zu bringen, Täter zur Verantwortung zu ziehen und den Opfern ein wenig Genugtuung zu verschaffen. Von 1963 bis 1965 wurden vor dem Landgericht Frankfurt am Main an 183 Verhandlungstagen über 350 Zeug*innen angehört, die Anklageschrift gegen die 22 Angeklagten war über 700 Seiten lang.

Der Prozess brach das weitverbreitete Schweigen im Nachkriegsdeutschland über die Verbrechen der jüngsten Vergangenheit und musste sich großen Widerständen entgegenstellen – aus den Reihen der Justiz selbst aber auch aus der Öffentlichkeit.

Der Erfolg der Auschwitz-Prozesse lag nicht allein in den Verurteilungen - die teilweise milder ausfielen als erhofft. Entscheidend war, dass die Verbrechen von Auschwitz gerichtlich dokumentiert und die Aussagen der Zeug*innen öffentlich festgehalten wurden.  Nach dem Revisionsverfahren entschied 1969 der Bundesgerichtshof über das Urteil aus Frankfurt. "Da war es: Ein rechtskräftiges Urteil, in dem festgehalten wurde, was in Auschwitz passiert ist. Mitsamt der Existenz von Gaskammern, Krematorien. Keiner sollte danach mehr behaupten können, dass es sowas nicht gegeben hat, das war damit höchstrichterlich bestätigt worden", sagt Wiese.

Am 19. März 2020 erinnerte sich Gerhard Wiese im Gespräch mit Gundula Fehns-Böer, Sprecherin des Oberlandesgerichts Frankfurt, und dem Journalisten Christian Preiser an den Prozess. Hören Sie zu Beginn unseres gekürzten Mitschnitts aus dem Oberlandesgericht Frankfurt, Präsident Roman Poseck. Wir senden einen gekürzten Mitschnitt aus dem Oberlandesgericht Frankfurt. Die einführenden Worte hält OLG-Präsident Roman Poseck.

Sendung: hr2-kultur, Kulturszene Hessen, 09.08.2020, 12:04 Uhr.

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