Der Rosenkavalier im Hessischen Staatstheater Wiesbaden

Der Rosenkavalier ist eine der beliebtesten Opern von Richard Strauss. Die musikalische Verwechslungskomödie wurde von dem Berliner Regisseur Nicolas Brieger am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden inszeniert. Unser hr2-Musikkritiker hat die Premiere gesehen.

Zuerst sieht man das weiße Schlafgemach der Fürstin. In der Mitte ein Bett, auf dem die Fürstin gerade mit ihrem Liebhaber Octavian Sex hat. Das musikalische Vorspiel der Oper wird hier zum erotischen Höhepunkt. Fürstin und Octavian gestehen einander ihre Liebe. Doch dann kündigt Baron Ochs seinen morgendlichen Besuch an.

Nachtclub mit Diskokugel

In diese Szenen werden Videoprojektionen eingeblendet. Mit Bildern aus dem ersten Weltkrieg: Schlachtfelder, Detonationen, Panzer – Bilder, die die Fin-de-Siècle Stimmung als Vorahnung auf den Krieg deuten.

Im zweite Akt wird der Krieg als Bild wieder aufgenommen. Diesmal im Haus des neuadligen reichen Herrn von Faninal, der seine junge Tochter Sophie dem Baron Ochs zur Heirat geben will. Faninal will den Titel, Ochs die Kohle. Im Hintergrund dreht sich ein goldener Panzer. Erst hier kommt Leben in die Inszenierung.

Seltsames Personal

Im dritten Akt sind wir statt in einem Wiener Wirthaus in einem Nachtclub mit Diskokugel, Séparées und Amüsierdamen. Hier trifft sich Baron Ochs mit seinem vermeintlichen Mariandl und wird von allen Beteiligten vorgeführt.

Statt Weltkrieg Assoziationen taucht hier allerlei seltsames Personal auf: ein transsexueller Wirt in Paillettenkleid und mit Federboa, ein Hermafrodit als Statue, der kleinwüchsige Diener der Fürstin.

Unterdurchschnittlich begeisterter Applaus

Und wenn man jetzt gedacht hatte, der erste Weltkrieg ist als Metapher eine Art roter Faden, dann wurde man enttäuscht. Welchen Weg Regisseur Nicolas Brieger einschlägt, das habe ich nicht immer nachvollziehen können.

Also ich habe zwar im letzten Akt auch mal Gänsehautmomente gehabt, die Musik von Richard Strauss ist in den innigen Momenten wahnsinnig intensiv und schön. Aber ich schließe mich dem für eine Premiere in Wiesbaden eher unterdurchschnittlich begeisterten Applaus des Publikums an.

Nichts Süßliches und Ratlosigkeit

Das war keine Rosenkavalier-Sternstunde, aber es war eine gute Gesamtleistung. Die drei Frauenpartien Fürstin, Sophie und die Hosenrolle Octavian sind extrem schwierig, sie müssen gut und gleichwertig besetzt sein, weil sie auch im Duett und Terzett singen.

Kompliment auch ans Orchester und Dirigent Patrick Lange. An einigen Stellen wäre etwas Zurückhaltung gegenüber den Sängern angebracht, aber ansonsten sehr schön. Ins Süßliche abdriften, das ist nicht das Ding von Nicolas Brieger. Wenn Octavian im 2. Akt Sophie die silberne Rose übergeben soll, dann tut er das angetrunken und lässt sie erst mal auf den Boden fallen. Wenn er sich dabei in Sophie verliebt, dann singen sich die beiden aus 10 Metern Distanz an.

Am Ende habe ich mich gefragt: Wo will die Inszenierung hin? Welche Botschaft nehmen wir mit? Mich hat das ein bisschen ratlos zurückgelassen.

Der Rosenkavalier
Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Mehr Informationen dazu hier

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 11.11.2019, 7:30 Uhr

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